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VON DER WIRKKRAFT DER GEISTER

 

Ebrlicht.jpg (11608 Byte)

Eine nachtodliche Belehrung durch den bis anhin hochgeachteten und
höchst bewundernswürdigen Herrn Ophthalmologen
Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
Kurpfälzischer Hofrat,
weiland Professor für ökonomische Wissenschaften zunächst in Kaiserslautern, hernach in Heidelberg und schlüsslich in Marburg,
ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste zu Kassel sowie auch
der Leipziger ökonomischen Sozietät MitgliedOffengelegt im Verlauf einer nachtodlichen Begegnung mit dem Obgenannten in Mannheim am Neckar und am Rhein und geflissentlich aufgeschrieben
von
Achtnicht Aufdenhohn
zu Lichthausen, Grafschaft Leisenburg

Leicht veränderte Online-Fassung des gleichnamigen Buches (ISBN 3-928984-11-X), erschienen 1995 im Verlag der Jung-Stilling-Gesellschaft e.V., Postfach 10 04 33, D-57004 Siegen. – Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers. – Spenden für die Arbeit der Jung-Stilling-Gesellschaft sind erbeten auf das Konto-? 1186 485 bei der Sparkasse Siegen (BLZ 460 500 01). Siehe die Internet-Seite über Johann Heinrich Jung-Stilling und die dortigen downloads!

Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung der Jung-Stilling-Gesellschaft e.V., Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland).
mailto:merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de
Jung-Stilling-Gesellschaft e. V., Siegen

Siehe auch das Gedicht Stillings VOM HANDELN IM DIESSEITS UND VON WESEN IM JENSEITS
Siehe auch das dritte Gedicht: Stillings Wunder im Münster zu Konstanz
Siehe auch das vierte Gedicht Stillings Von der Wirkkraft der Geister

 

Von der Wirkkraft der Geister

Zusammentreffen mit Jung-Stilling in Reichenburg

Zu Mannheim1 ging ich durch die Stadt.
Da sah ich vor dem Herschel-Bad2
Ich meinte erst, ich träume wohl! –
Jung-Stilling3 sagen Lebewohl
Zu einem edlen jungen Herrn,
Der sichtlich diesen Tagen fern.

Der Auftritt liess mir keine Ruh;
Beherzt schritt ich auf Stilling zu.
Der winkte freundlich mich heran,
Gab herzlich mir die Hand sodann.

Beziehungen zu Reichenburg

"Herr Hofrat4 Jung: in Mannheim sie!?
Kein Trugbild meiner Phantasie?
Verzeihen sie die Wissbegier:
Warum sind sie denn heute hier?" —

"Mein lieber Stillings-Freund5: die Stadt
Bezug in vieler Hinsicht hat
Zu meinem Diesseits-Lebenslauf:
Es ward mir Gutes hier zuhauf!

(1) Karl Theodor mir Sitz verlieh
Schon früh bei der Akademie.6
Der Hofrats-Titel4 folgte dann,
Wiewohl ich darauf gar nicht sann.7

(2) Gesellschafts-Mitglied ich auch war
Der Teutschen hier, die hochachtbar
Zu jener Zeit gewesen ist,
Wie ihr, Herr Achtnicht, ja wohl wisst.8
Mit meinem Freund, dem Pfarrer Mieg,
Ich jeweils in den Wagen stieg;
Von Heidelberg hierher ich fuhr:
Ich schätzte hoch Literatur.9

(3) Die erste Stelle als Jurist
In Mannheim früh geworden ist
Dem lieben Jakob, meinem Sohn,
Mit neun und zwanzig Jahren schon.10
Nach Rastatt wurde er versetzt,
Das Herz ihm an der Murg verletzt.11
Zurück nach Mannheim ihn man rief,
Wo er als treuer Christ entschlief.12

(4) Insonders Mannheim stand sehr nah
Zeitlebens auch Amalia.
Bemüht in dieser Stadt blieb sie,
Dass Frauen-Bildung wohl gedieh.13
Die Töchter, die erzog sie hier
In Geist und Herz zu GOttes Zier,
An Bildung übertrafen weit
Die Männer, die zu jener Zeit
Oft wenig Takt und Wissen hatten,
Drum standen alleweil im Schatten
Der Gattin, die im Mittelpunkte
Des Hauses, der Familie prunkte.

Beinebens, Achtnicht, diese Stadt
Längst ganz und gar vergessen hat
Den Geistes-Funken, der hier sprühte:
Wie Frauen-Bildung frisch erblühte.
Ach GOtt! Ihr kennt ja diese Leute:
Für ihre Grossen blind noch heute.

(5) Christinens Mann befördert ward:
In Mannheim war ein neuer Start.
So kam zur ältren Schwester sie,
Zum lieben Bruder auch allhie.14

(6) Mein Enkel Schwarz blieb – hochgeschätzt –
In Mannheim Pfarrer bis zuletzt.15
Er sorgte drum, dass mehr Kultur
Das niedre Bürgertum erfuhr.
Mit seinen Tanten16 tat er viel,
Für Bildung, feinen Lebens-Stil
Auch unter Mannheims Protestanten,
Die ihn als Menschenfreund erkannten.
Doch heut ist er schon längst vergessen,
Wie dieser Stadt es angemessen." –

Wo weilt Jung-Stilling jetzt?

"Herr Hofrat Jung! Wo sind sie jetzt,
Das sie ins Geister-Reich versetzt?
Kann jeder denn, so wie just sie
Zurück, wenn er es will, nach hie?" –

"Mein Stillings-Freund! Legt hier zugrunde
Die 'Theorie der Geister=Kunde’.17
Ihr findet dort es so beschrieben,
Wie euch es frommt zu glauben nieden." –

"Herr Hofrat! Ich las dazu neulich,
Dies Werk sei misslich und abscheulich.
Zu Basel traf besagtes Buch
Der Prädikanten harschen Fluch,18
Weil Papstes-Lehren es verbreite,
Die Frommen in die Irre leite." –

"Für Basels Kirche bleibt die Schrift
Ein Zeichen für das schlimme Gift
Des Neides und der Ketzersucht,
Die dort emportrieb arge Frucht!
Mir wurden Dinge unterstellt,
Die jenes Buch gar nicht enthält.
Drum musste ich zur Feder greifen,
Um solchen Anwurf abzustreifen.19

Wirken Verstorbener auf Menschen nieden

Gewiss bleibt, lieber Achtnicht, doch,
Dass auch Verstorbne wirken noch
Auf ihre Lieben hier auf Erden –
Wenn GOtt will, dass sie tätig werden!
Nur selten freilich kommt es vor,
Dass jemand tritt durchs Jenseits-Tor
Ganz so, wie er auf Erden war,
Zeigt dergestalt sich Menschen dar.

Auch sind sehr Wenige es nur,
Die sehn den Geist in Leib-Figur.
In beiden Fällen GOttes Gnade
Muss walten in speziellem Grade.
Meist wirkt ein Geist nur auf den Willen,
Doch unbemerkt und bloss im Stillen."20

Verbindung zwischen Eltern, Kinder und Enkel

"Herr Hofrat! Wirken Eltern bloss
Auf ihre Kinder, die nun gross?
Geht Einfluss über lange Zeiten?
Kann Ungeborne man schon leiten?" –

"Das Letzte schier unmöglich ist!
Vom andern ihr ja manches wisst.
Dass wir hier sprechen, klar doch zeigt,
Wie Zeit sich auch nach rückwärts neigt,21
Wenn GOttes Gnade dies lässt zu
Und jemand solches Nutzen tu.

Zur andren Frage kann ich sagen,
Das wirkt derzeit, in diesen Tagen,
Mein Förderer Karl Friederich22
Auf seinen Nachfahrn fürsorglich.23
Hier freilich auch der Glücksfall steht,
Dass jener Nachfahr im Gebet
Mit GOtt verbunden ist als Christ;
Geöffnet drum der Botschaft ist,
Die ihm Karl Friedrich schickt nach hie –
Und GOtt dazu die Huld verlieh." –

Reformierter Glaube und GOttes Boten

"Herr Hofrat! Widerspricht das nicht
Dem Glauben reformierter Sicht?
Ich hörte jüngst: wahr sei kein Gran:
Nur Blendwerk, Mickmack, hohler Wahn,
Viel Gaukelspiel, Schnurrpfeiferei,
Auch leerer Dunst und Kniffelei." –

"Dass wir hier stehen: ist das Trug?
Beweis scheint mir das doch genug!
Auch habe in den Sulzer-Briefen
Ich abgegrenzt mich zu den Tiefen
Des Aberglaubens und der Mären
Samt aller Esoterik-Lehren.24
Was findet ihr vom Geistern dort,
Entspricht in allem GOttes Wort.

Niemand ist Geistwesen gegenüber verpflichtet

Kein Mensch auf Erden ist verpflichtet,
Dass Bitten, Flehgebet er richtet
Zu Engeln oder andren Geistern,
Dass diese Dinge für ihn meistern.

Nur GOtt allein der Herrscher ist!
Wir sind ihm nah durch JEsu CHrist.
Direkter kann kein Zugang sein,
Als durch den Menschensohn allein.25

Doch alles dies schliesst aus mitnichten,
Dass Geister Dienste auch verrichten
In GOttes Auftrag, wie die Bibel
An vielen Stellen macht plausibel.26

Zwei Richtungen gilt es klar zu unterscheiden

Lasst wiederholen nochmals mich,
Weil wichtig ausserordentlich
Und meist der Durchblick daran kränkt,
Dass man die Richtung hier vermengt.

Zwei Dinge gilt es klar zu trennen.
Zum ersten, Geister zu berennen,
Dass dieses oder jenes sie
Verrichten für den Menschen hie.

Dies nutzlos ist, weil selbst aus sich
Kein Geist kann handeln willentlich.
Dazu tut sich hier Argwohn da;
Denn GOtt ist jedem immer nah.
Es Mittler deshalb nie bedarf,
Die unsre Kirche drum verwarf.

Zum zweiten aber muss man sehen,
Was bisher klärlich ist geschehen:
Der HErr schickt Menschen Geister zu
Auf dass sich GOttes Willen tu
Durch sie; auf SEin Geheiss jedoch:
Und dies geschieht ja täglich noch!

Leugnung der Existenz von Engeln im Protestantismus

Mein Stillings-Freund: es tut mir weh,
Wenn weitum ich heut leugnen seh
Der Engel Dasein grade dort,
Wo man betont in einem fort,
Die Bibel sei der Born, der Hort,
Aus dem sich GOttes Botschaft künde,
Woraus sich rechter Glaube gründe,
Und wo man schreit: 'nur Schrift allein
Darf Richtschnur rechten Glaubens sein.'

Ja, lesen denn die Lieben nicht,
Was klar die Schrift von Engeln spricht?
Was treibt sie an, keck zu behaupten,
Dass Engel 'reinen Glauben’ raubten?

Geht es denn schlimmer noch und dreister
Als nennt man Engel 'Abergeister’?
Wenn dartut man sie ungeniert
Als Götzen, nun 'depotenziert’,27
Um dann im nächsten Atemzug
Laut zu posaunen aberklug:
'Die Bibel – und nur sie allein –
Darf Mass der Christen-Lehre sein!’

'scriptura sola’28 – welch ein Hohn
Wenn man sich aussucht, was davon
Derzeit ins eigne Weltbild passt,
Doch andres abwirft als Ballast;
Dazu fanatisch noch greift an,
Als 'Aberglaube’ tut in Bann,
Was GOtt von Engeln in der Bibel
Uns lehrt, entfaltet so penibel.

Jung-Stilling verabschiedet sich

Doch nun, Herr Achtnicht, seid nicht böse,
Wenn ich mich schnell von dannen löse.
Just gab man einen Auftrag mir,
Der führt weit weg mich gleich von hier.29

Dankt täglich GOtt, der euch gesandt
Auf Erden in das Siegerland,
Wo GOttes Wort und Calvins Lehr
Vergehen nu und nimmermehr.30
Gehabt euch wohl! Grüsst jeden dort,
Dem Stillings Schriften sind ein Hort."

Niederschrift und Formatierung der Botschaft

Urplötzlich war die Stelle leer;
Auch keinen sah ich rings umher.
Ein Rudel junger Leute kam
Und Richtung auf die Halle32 nahm.
Der Lärm der Stadt mich voll umfing,
Derweil auch ich ins Schwimmbad ging.
Dort nahm ich in dem Vorraum Platz,
Schrieb teils in Stichwort, teils in Satz,
Was Stilling mir just mitgeteilt,
Dass im Gedenken es verweilt.

Am Abend im Hotel kam nah
Mir huldreich Engel Siona.31
Er bat um meine Niederschrift.
Der Engel griff zu einem Stift.
Zunächst er das, was ich notierte,
In rechte Folge disponierte.
Dann reimte er in Windeseile
Schön jambisch32 eine jede Zeile.

Siona sagte daraufhin:
"Herr Achtnicht, es ist von Gewinn,
Wenn diese Botschaft ihr komplett
Stellt möglichst bald ins Internet.
Doch bitte fügt noch Noten an,
Dass jedermann verstehen kann,
Was möchte diesmal bringen nah
Vom Himmel her Ohephiah.33
Ich will dabei euch unterstützen,
Mit Winken aus dem Jenseits nützen."

Der Engel tat, was er versprach,
Wie leicht mag jeder prüfen nach.
Gedankt sei hierfür sehr dem Engel,
Doch zeige mich man aller Mängel.

Meckerer mögen sich selbsten kritisieren

Doch jene, die sich regen auf,
Zerbersten schier in Wut-Geschnauf,
Weil ihr beschränkter, karger Geist
Allein um das, was irdisch kreist:
Beschimpfen Siona als Meister
Verdammter, böser Lügengeister,
Die nennen Achtnicht frech Kumpan
Des Teufels: diesem untertan:

Die tuen selbst sich bestens gut,
Wenn richten ganz sie Zorn und Wut
Mit voller Kraft geflissentlich
Flugs auf ihr selbstbewusstes Ich.

Anmerkungen und Erläuterungen

1 Stadt am Einfluss des Neckars in den Rhein; bei Jung-Stilling auch "Reichenburg" genannt. Mannheim war von 1721 bis 1777 Residenzstadt der Kurpfalz; es kam 1803 zu Baden. Heute gehört es zum Bundesland Baden-Württemberg der Bundesrepublik Deutschland.

2 Hallenbad im innerstädtischen Quadrat U 3, benannt nach seinem Stifter, dem jüdischen Kaufmann und Stadtrat Bernhard Herschel (1837–1905).

3 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Dieser wurde in letzter Zeit wiederholt auf Erden gesehen. Siehe die entsprechenden Erscheinungsberichte aufgezählt bei Bleibfest Stillingtreu: Wundersame Begegnung an der Sal. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 2000, S. 51 ff. sowie die Download-Files unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/~stilling/downloads.htm>

Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992. – Die "Lebensgeschichte" erschien in vielen Ausgaben. Jedoch genügt nur die von Gustav Adolf Benrath besorgte Version den Anforderungen sowohl des Lesers (grosser Druck, erklärende Noten, Register) als auch des Wissenschaftlers (bereinigter Original-Text; wichtige Dokumente zur Lebensgeschichte) — In kürzerer Form orientiert über das Leben von Jung-Stilling auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989. Mehr die innere Entwicklung schildert Otto W. Hahn: "Selig sind, die das Heimweh haben". Johann Heinrich Jung-Stilling: Patriarch der Erweckung. Giessen, Basel (Brunnen) 1999 (Geistliche Klassiker, Bd. 4).

Siehe zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987), S. 220 ff.

Dieses Werk von Jung-Stilling wurde seit seinem Erstdruck in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch ins Englische, Schwedische und Niederländische übersetzt; siehe die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

4 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern vom 31. März 1785 die Ernennung zum "Kurpfälzischen Hofrat"; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 16 a), S. 427. – Jung-Stilling hatte dem Wittelsbacher Kurfürsten 1772 seine medizinische Doktorarbeit gewidmet. Diese trägt die Aufschrift "specimen de historia martis nassovico-siegenensis"; sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Eisenerzeugung im Fürstentum Nassau-Siegen. – Mars = hier: ferrum, quia romanis olim ferreus mars fuit; siehe zur älteren Metall-Lehre übersichtlich, in drei Thesen geordnet Anton Lütgens: metallorum naturam et differentias explicans dissertatio physica. Kiel (Barthold Reuther) 1707.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an den zu jener Zeit noch häufig anzutreffenden Schlagbäumen, Wegschranken, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Überfuhren, Fähren, Brücken sowie an den zahlreichen Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt. In Artikel 6 heisst es genauer: "S. M. l'Empereur et Roi, tant en Son nom qu'en celui de l'Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= Fahrt-Rinne für die Schiffahrt) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l'Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l'endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu'à celui où il entre dans le territoire batave."

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich: sein Enkel Karl [1786/1811–1818] heiratete im April 1806 Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel "Königliche Hoheit" auf.

Mit dem Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 ("Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuss des bisherigen Rangs") der "kurpfälzische" de jure publico automatisch zum "badischen" Hofrat.

Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling als Berater des Grossherzogs von Baden in Karlsruhe ("ohne mein Suchen und Wünschen", wie er selbst betont) zum "Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen" ernannt. – Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Grossherzog Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1820, S. 27.

Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit "Herr Hofrat" (seltener mit "Herr Geheimrat") angesprochen, auch von seinem Engel Siona. – Der Titel "Hofrat" ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (adjunctio nominis), wie etwa "Apostel Paulus", "Kaiser Karl" oder "Prinz Eugen" zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (titulus honoris). – "Stilling" ist ein individueller Beiname (appellatio propria) und klingt zu vertraulich. – "Professor Jung" und "Doktor Jung" greift eine Stufe niedriger als "Hofrat Jung"; das heisst: der Titel "Hofrat" steht über der Amtsbezeichnung "Professor" oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) "Doktor".

Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, empfängt von GOtt einen neuen Namen, siehe Offenbarung 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). Siehe [Christian Gottlob Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

5 Stillings-Freund meint –  Gönner, Förderer, später – Verehrer und Anhänger ("Fan": dieses heute gebräuchliche Wort vom lateinischen fanaticus = begeistert, entzückt) von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch leider bis heute L L "Stillings-Feinde", siehe ebendort, S. 316.

6 Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz berief Jung-Stilling nach dessen eigenen Angaben im März 1772 zum korrespondierenden Mitglied der "Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften" in Mannheim; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 287. — Freilich ist Jung-Stilling in den erhaltenen Mitgliederlisten der Akademie nicht aufgeführt. Siehe dieses Verzeichnis bei Peter Fuchs: Palatinatus Illustratus. Die historische Forschung an der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften. Mannheim (Bibliographisches Institut) 1963, S. 566 f.

7 Anlässlich der Verlegung der Kameral Hohen Schule von (Kaisers)Lautern nach Heidelberg im Jahre 1784 erhielt Jung-Stilling den Titel eines "Kurpfälzischen Hofraths"; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 427 sowie S. 688 ("Den Hofratstitel gab mir der Kurfürst von der Pfalz ganz aus eigener Bewegung, und ganz umsonst, ich hatte so etwas nie verlangt und nie erwartet. Der Kurfürst liebte mich sehr und wollte mir dadurch eine Gnade erzeigen").

8 Die "Teutsche Gesellschaft" war 1775 gegründet mit dem Ziel, die (zeitgenössische) deutsche Literatur zu fördern. Siehe Ludwig Häusser: Geschichte der rheinischen Pfalz in ihren politischen, kirchlichen und literarischen Verhältnissen. Pirmasens (Richter) 1970, S. 946 f. (Neudruck der 2. Aufl. Heidelberg [Mohr] 1856).

9 Kirchenrat Pfarrer Johann Friedrich Mieg (1744–1819), Pfarrer an der Heiliggeistkirche in Heidelberg, war ein guter Freund von Jung-Stilling. In seinem kinderlosen Haus lebte seine Tochter (aus zweiter Ehe) Elisabeth (Lisette, 1786–1802), die Mieg wie seine eigene Tochter hielt. Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 428, S. 738, S. 565, S. 752.

Unter dem Namen "Epictet" war Kirchenrat Mieg einer der führenden Köpfe der Illuminaten; siehe Wilhelm Kreutz: Die Illuminaten des Rheinisch-Pfälzischen Raums und anderer außerbayrischer Territorien. Eine "wiederentdeckte" Quelle zur Ausbreitung des radikal aufklärerischen Geheimordens in den Jahren 1781 und 1782, in: Francia – Forschungen zur Westeuropäischen Geschichte, Bd. 18/2 (1991), S. 117, S. 120 f.

10 Jung-Stillings Sohn aus erster Ehe Jakob Jung (1774–1846) wurde vom Grossherzog (damals noch Kurfürst) Karl Friedrich von Baden im Jahre 1803 als Wirklicher Justizrat nach Mannheim berufen; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 591 f.

11 Jakob Jung erhielt im Jahr 1816 das Amt eines Hofgerichtsrats in Rastatt (beiderseits der Murg, 22 Kilometer südwestlich von Karlruhe gelegen). Er verlor zwei seiner schon erwachsenen Kinder durch eine langwierige Krankheit. – Siehe Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 79 f. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

12 Als Oberhofgerichtsrat wurde Jakob Jung nach Mannheim zurückversetzt, wo er auch starb. Er war unter anderem auch Präsident der Badischen Mission; siehe anonyme Verfasserin: Amalie Jung und das Großherzogliche Fräulein=Institut in Mannheim. Ein Lebens= und Charakter=Bild. Weimar (Böhlau) 1873, S. 70, S. 141.

13 Jung-Stillings Tochter (aus dritter Ehe) Amalia (Malchen, 1796–1860) wurde Leiterin das von Karlsruhe im Jahr 1816 nach Mannheim verlegten Graimbergschen Pensionats für höhere Töchter.

Siehe hierzu unbekannter Verfasser: Die Gründung des Instituts der Frau von Graimberg in Karlsruhe 1810, in: Mannheimer Geschichtsblätter. Monatsschrift für die Geschichte, Altertums- und Volkskunde Mannheims und der Pfalz, Bd. 26 (1925), ? 2, Sp. 45–46 sowie (Hahn, Sophie Anna Franziska von:) In Gutshäusern und Residenzen. Denkwürdigkeiten der Freifrau Sophie von Hahn geb. de Graimberg, hrsg. von Otto von Taube. Hannover-Döhren (Hirscheydt) 1964.

Jung-Stillings "Seelen"–Tochter (aus zweiter Ehe) Carolina (Linchen, 1787–1821) war zuvor Leiterin dieser Anstalt. – Siehe Max Geiger: Aufklärung und Erweckung (Anm. 11), S. 550 und S. 560 (Amalia) sowie S. 181 f. und S. 609 (Carolina). – Vgl. auch Christine Jung-Heddaeus: Aus den Papieren einer Tochter Jung-Stilling's. Barmen (Langewiesche) 1860, S. 26 ff.

 14 Christine Jung (aus dritter Ehe, Tinchen, 1799–1869) heiratete 1820 den Kanzleirat Eberhard Friedrich Heddäus; siehe Max Geiger: Aufklärung und Erweckung (Anm. 11), S. 142 sowie Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795–1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 364 (Register) (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32).

15 Wilhelm Heinrich Elias Schwarz, der erste Enkel von Jung-Stilling, wurde 1793 in Marburg/Lahn geboren (aber nicht im Hause des Grossvaters, wie oft zu lesen ist; vielmehr wurde er dort zwei Tage nach der Geburt im Hause von Jung-Stilling durch den Professor "für Theologie nach lutherischem Lehrbegriff" und Direktor des Predigerseminars Leonhard Johann Carl Justi, 1753–1800, getauft). Er war das erste Kind der Eheleute Friedrich Heinrich Christian Schwarz und Hanna Jung; siehe zu ihm auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 630. – Er studierte Theologie, promovierte 1816 in diesem Fach und wirkte zunächst in Weinheim (Bergstrasse), sodann ab 1831 als Pfarrer an der Trinitatis-Kirche im innerstädtischen Quadrat G 4 in Mannheim. Auch betätigte er sich erfolgreich auf verschiedenen sozial-karitativen Feldern.

Stillings erster Enkelsohn fühlte sich dem Erbe des Grossvaters besonders verpflichtet und gab nach dessen Tod auch seine Gedichte heraus. Er predigte im Geist der Erweckung, was bei den in religiösen Dingen sehr leichtfertigen, flatterhaften Mannheimern schlecht ankam. Sein Grossvater Jung-Stilling kannte bereits "kein frivoleres, gegen alle Religion leichtsinnigeres Volk" als die Pfälzer; siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 122. – Dieses Urteil gilt, wie viele Seelsorger bis heute bestätigen, offenbar für die Mannheimer im besonderen.

Ins Gerede kam aber Wilhelm Heinrich Elias Schwarz, weil er sich von seiner 1819 in den Ehestand geführten ersten Frau Amalie Bechthold (1801 in Darmstadt geboren) 1833 scheiden liess (sie war angeblich geisteskrank; zeigte sich aber später wieder kerngesund und putzlebendig), um noch im selben Jahr deren Stiefschwester Henriette Hug, 1811 in Mannheim geboren, zu heiraten. Als diese 1844 starb, verehelichte er sich 1845 mit der dritten der Schwestern, mit Sophie Wilhelmine Hug. – Während die dritte Ehe kinderlos blieb, hatte er aus der ersten Ehe drei Söhne und aus der zweiten Ehe ebenfalls drei Söhne.

Wilhelm Heinrich Elias Schwarz starb 80jährig 1873 in Mannheim. – Siehe Udo Wennemuth: Geschichte der evangelischen Kirche in Mannheim. Sigmaringen (Thorbecke) 1996, S. 82 ff. (Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte, hrsg. vom Stadtarchiv Mannheim, Bd. 4).

16 Die in Mannheim lebenden Jung-Stilling-Töchter Amalie Jung und Christine Heddäus-Jung.

17 Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett!). Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters), S. 220 ff.

Dieses Werk von Jung-Stilling wurde seit seinem Erstdruck in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch 1812 ins Schwedische, 1815 ins Niederländische, 1834 ins Englische (durch Samuel Jackson) sowie 1851 ins Amerikanische (durch Pfarrer George Bush) übersetzt; siehe die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

Vgl. zu diesem Themenkreis auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2). sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. Diese Schrift ist auch unentgeltlich als Download-File unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/~stilling> abrufbar.

18 Siehe: Abgefordertes Gutachten einer ehrwürdigen Geistlichkeit der Stadt Basel über Herrn Dr. Jung's genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1809 sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades (Anm. 17), S. 30 (Titelblatt dieser Schrift; im folgenden Titelblätter weiterer derartiger Veröffentlichungen gegen Jung-Stilling und weitere Literaturhinweise).

19 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlasst durch ein gegen dieselbe abgefasstes Gutachten des Hochwürdigen (so, mit grossem Ha) geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster (so, mit grossem E) Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde" (Geisterkunde im Gegensatz zum Hauptwerk hier ohne [Doppel]Bindestrich geschrieben) Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung 1809, Zweitauflage ebendort 1830.

20 Siehe hierzu Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 17), S. 371 sowie Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 138, S. 245.

21 Denn "der Raum und die Zeit entstehen also blos in unserer Seele; außer uns im Wesen der Natur selbst, ist keins von Beyden. Da nun alle Bewegungen in der ganzen Schöpfung in Raum und Zeit geschehen, ohne beyde keine Bewegung möglich ist, so sind auch alle Bewegungen in der ganzen Schöpfung blos Vorstellungsformen in unserer (so!) Seelen, die aber in der Natur selbst nicht statt finden (Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde [Anm. 17], S. 31). Mithin gibt es auch keine Nachzeitigkeit!

22 Grossherzog Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811), der Freund und Gönner von Jung-Stilling, mit dem er jedoch erstmals 1801 in persönlichen Kontakt kam. Siehe darüber ein eigenes Kapitel bei Max Geiger: Aufklärung und Erweckung (Anm. 11), S. 237 ff. sowie Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung (Anm. 14), S. 364 (Register).

23 Gemeint ist wohl Markgraf Maximilian von Baden, Herzog von Zähringen. Er ist ein ächter Stillings-Freund; siehe das Widmungsblatt im Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 15).

24 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Antwort durch Wahrheit in Liebe auf die an mich gerichteten Briefe des Herrn Professor Sulzers in Konstanz über Katholicismus und Protestantismus. Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1811, S. 137 f., S. 193, S. 197.

25 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 15), S. 81 ff.

26 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 17), S. 175 f. sowie Jung-Stilling-Lexikon Religion, S. 52 ff.

27 In der protestantischen Theologie dieser Tage werden Engel als "depotenzierte" (= entmachtete) Götter" der alten Völker begriffen, die auf Schleichwegen in die Bibel eingedrungen sind. – Siehe hierzu Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher) sowie Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 6. Aufl. Kreuzlingen (Hugendubel) 1995

28 Nur, ganz allein, ausschliesslich die Bibel (also nicht auch die Vernunft) darf Grundlage des Glaubens sein. Diesem schroffen Grund-Satz der Hauptströmung reformatorischer Theologie folgt Jung-Stilling nicht.

"Es ist für Jung-Stillings Position bezeichnend, dass an den entscheidenden theologischen Stellen (Offenbarungsverständnis, Gottesbild, Menschenbild, Erlösungslehre), wo bei Luther und den anderen Reformatoren die für ihre Theologie charakteristische particula exclusiva 'allein' steht, bei Jung-Stilling die particula copulativa 'und' oder eine entsprechende Apposition steht", bemerkt Otto W. Hahn: Jung-Stilling zwischen Pietismus und Aufklärung. Sein Leben und sein Literarisches Werk 1778 bis 1787. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris (Peter Lang) 1988, S. 744. (Europäische Hochschulschriften, Bd. 344). – So gelten für Jung-Stilling jeweils Bibel und Vernunft, Natur und Offenbarung, fromm und vernünftig, Christ und Menschenfreund, usw.

29 Engeln und Geistern kommt keine Ubiquität zu: sie können in der Regel nur an einem einzigen Ort sein. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm.17), S. 366.

30 Jung-Stilling entstammt dem Siegerland. Er kommt aus einer mit vielfältigen Talenten ausgestatteten Familie der "Stillen" im Dorf Grund, heute Teil der Stadt Hilchenbach, Kreis Siegen-Wittgenstein im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. – Jung-Stilling war im Siegerland als Köhlerjunge (bei seinem Grossvater), als Schneider und Knopfmacher (bei seinem Vater), als Schulmeister (in verschiedenen Orten seiner Heimat) und als Vermessungsgehilfe (bei seinem Patenonkel) tätig. Dazu musste der in der häuslichen Landwirtschaft mithelfen.

Siehe Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 4–35 sowie Otto W. Hahn: Selig sind, die das Heimweh haben. Johann Heinrich Jung Stilling, Patriarch der Erweckung. Giessen, Basel (Brunnen) 1999, S. 11–15. — Siehe zum religiösen Hintergrund dieser Gegend Jakob Schmitt: Die Gnade bricht durch. Aus der Geschichte der Erweckungsbewegung im Siegerland, in Wittgenstein und den angrenzenden Gebieten, 3. Aufl. Giessen (Brunnen Verlag) 1984.

31 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 8. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: "Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert").

Der Name Siona bedeutet letztlich "die Himmlische" (siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: Onomasticon Biblicum. Augsburg [Martin Veith] 1738, S. 1161 ff.); und Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf.

Er spricht Siona an als – Œ "unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit" (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  "göttliche Freundin" (ebenda, S. 223), dankt der – Ž "erhabenen Dolmetscherin" (ebenda, S. 241), die ihm –  als Engel – oft ungesehen – "immer liebvoll zur Seite ist" (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw'sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber – auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und – Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst) auf einer "Himmels-Leiter" zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie – zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), – ihn aber auch von himmlischen Höhen "in müdes Weltgewühle" zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff.

32 In Form von Jamben, nämlich der dem Sechsachteltakt entsprechenden metrischen Grundform mit Wechsel einer kurzen und einer langen Silbe (ÚÚ –).

33 Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu [Christian Gottlieb Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Von ....r...Stuttgart (Steinkopf) 1817, S. 12.

Ye servants of GOd, your Master proclaim,
And publish abroad HIs wonderful name:
The name all-victorious of JEsus extol;
HIs kingdom is glorious, and rules over all
Then let us adore, and give Him His right:
All glory and power, all wisdom and might,
All honour and blessing, with angels above,
All thanks never-ceasing, and infinite love
                                                                     Charles Wesley (1707-1788)

 

Von der Wirkkraft der Geister

Eine nachtodliche Belehrung mit dem berühmten Ophthalmologen

Kurpfälzischer Hofrat Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817)

Copyright 2001 by Jung-Stilling-Gesellschaft e.V., Postfach 10 04 63, 57004 Siegen (Deutschland)

 

Sit DEo gloria et lectori bonum, verum, pulchrum.

Siehe auch das Gedicht Stillings VOM HANDELN IM DIESSEITS UND VON WESEN IM JENSEITS
Siehe auch das dritte Gedicht: Stillings Wunder im Münster zu Konstanz
Siehe auch das vierte Gedicht Stillings Von der Wirkkraft der Geister

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