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Die Engellehre anhand der Schriften
der großen Theologen und des kirchlichen Lehramtes

Die "Himmmlische Hierarchie" des Pseudo Dyonisius

 

1. Kapitel: Widmung der Schrift an Timotheus. Jede göttliche Erleuchtung strahlt in Güte in buntgebrochenem Licht in die Gegenstände der Vorsehung und bleibt doch einfach. Aber noch mehr, sie bildet auch in den Wesen, in welche sie einstrahlt, das Eine heraus.

2. Kapitel: Das Göttliche und Himmlische wird geziemend auch durch die nicht ähnlichen Sinnbilder veranschaulicht.

3. Kapitel: Das Wesen der Hierarchie und ihr Nutzen.

4. Kapitel: Die Bedeutung des Namens ,Engel".

5. Kapitel: Warum alle himmlischen Wesen mit dem gemeinsamen Namen ,,Engel" bezeichnet werden.

6. Kapitel: Die erste, zweite und dritte Ordnung (Trias) der. himmlischen Wesen.

7. Kapitel: Die Seraphim, Cherubim und Throne und die erste von ihnen gebildete Hierarchie.

8. Kapitel: Die Herrschaften, Gewalten und Mächte und die mittlere von ihnen gebildete Hierarchie.

9. Kapitel: Die Fürstentümer, Erzengel und Engel und die letzte von ihnen gebildete Hierarchie

10. Kapitel: Wiederholung und Zusammenfassung der Engelordnung .

11. Kapitel: Warum alle himmlischen Wesen mit dem gemeinsamen Namen ,,himmlische Mächte‘ bezeichnet werden.

12. Kapitel: Warum die Hierarchien bei den Menschen ,,Engel‘ heißen.

13. Kapitel: Warum es heißt, der Prophet Jesaias sei von den Seraphim entsühnt worden.

14. Kapitel: Bedeutung der überlieferten Zahl der Engel.

15. Kapitel: Was bedeuten die bildlichen Gestalten der Engelmächte, die Feuergestalt, die Menschengestalt u.s.w. ...

Epilog

KAPITEL 1.

Widmung der Schrift an Timotheus. Jede göttliche Erleuchtung strahlt in Güte in buntgebrochenem Licht in die Gegenstände der Vorsehung und bleibt doch einfach. Aber noch mehr, sie bildet auch in den Wesen, in welche sie einstrahlt, das Eine heraus.

§1

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, indem es vom Vater der Lichter herab- \ steigt (vgl. Jak 1,17). Aber jedes Hervortreten der vom Vater erregten Lichtaustrahlung, welche gütig verliehen zu uns dringt, führt uns auch wiederum als eine in Eins gestaltende Kraft aufwärts und vereinfacht uns und wendet ins wieder zur Einheit des Vaters, der vereinigt, und zu seiner vergöttlichenden Einfachheit zurück. Denn aus ihm und zu ihm hin ist alles, wie das heilige Wort sagt (Röm 11,36).

§2

Lasst uns also Jesus anrufen, das Licht des Vaters, das wirkliche, wahrhafte Licht, welches einen jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt(Joh 1,9), durch welchen wir den Zutritt zum Vater, dem Urquell des Lichtes, erlangt haben, und so dann zu den von den Vätern überlieferten, in den heiligsten Schriften enthaltenen Erleuchtungen nach Möglichkeit emporblicken. Die von ihnen auf sinnbildlichem und anagogischem Wege uns geoffenbarten Hierarchien der himmlischen Geister wollen wir, soweit es in unserer Macht liegt, zu bauen suchen, die ursprüngliche und überursprüngliche Lichtergießung des urgöttlichen Vaters (welche uns die seligsten Hierarchien der Engel in bildlich geformten Zeichen offenbart), mit immateriellen und zuckungsfreien Augen des Geistes aufnehmen und dann hinwieder von ihr aus zu ihrem einfachen Strahl uns erheben(2 Kor 3,18). Denn dieser selbst verliert ja auch nie etwas von der ihm eigenen einheitlichen Einfachheit, während er sich zum Zwecke der anagogischen und einigenden Anpassung an die von der Vorsehung geleiteten Wesen vervielfältigt und (zu ihnen) austritt. Er bleibt vielmehr innerhalb seiner selbst in unbeweglicher Selbstgleichheit unerschütterlich und dauernd fest und zieht diejenigen, welche geziemend zu ihm emporblicken, ihrer Natur entsprechend (zu sich) empor und gestaltet vermöge seiner (eigenen) Wesenseinheit, die eine vereinfachende Kraft besitzt, auch in ihnen das Eine. Denn es ist gar nicht möglich, dass der urgöttliche Strahl in uns hereinleuchte, es sei denn, dass er durch die bunte Fülle der heiligen Umhüllungen, welche einen höhern Sinn enthalten, verdeckt und in väterlicher Fürsorge unseren Verhältnissen naturgemäß und entsprechend angepasst sei.

§3

Deshalb hat auch die heilige Satzung, welche dem Urquell aller Weihen entstammt, unsere heiligste (kirchliche) Hierarchie in der Form gewährt, dass sie dieselbe einer überweltlichen Nachahmung der himmlischen Hierarchie würdigte und diese eben erwähnten immateriellen Hierarchien in materiellen Gestalten und zusammengesetzten Gebilden auf mannigfach verschiedene Weise darstellte. Wir sollen nämlich unserer eigenen Natur entsprechend von den heiligsten Gebilden aus zu den einfachen und bildlosen Aufschwüngen und Verähnlichungen gehoben werden. Denn es ist unserm Geiste gar nicht möglich, zu jener immateriellen Nachahmung und Beschauung der himmlischen Hierarchien sich zu erheben, wofern er sich nicht der ihm entsprechenden handgreiflichen Führung bedienen wollte. Und diese findet er darin, dass er die in die äußere Sichtbarkeit tretenden Schönheiten als Abbilder der unsichtbaren Herrlichkeit studiert, darin dass er die sinnlichwahrnehmbaren Wohlgerüche als Typen der geistigen Ausstrahlung und die materiellen Lichter als ein Sinnbild der immateriellen Lichtergießung betrachtet; darin dass er die ausführlichen heiligen Lehrvorträge als einen Widerhall der geistigen, in Beschauung gewonnenen Befriedigung, die Rangstufen der irdischen (kirchlichen) Ordnungen als einen Abglanz des harmonischen und wohlgeordneten Verhältnisses zum Göttlichen, die Teilnahme an der göttlichen Eucharistie als eine Darstellung der Gemeinschaft mit Jesus erkennt. Und das Gleiche gilt von allen übrigen Dingen, welche den himmlischen Naturen auf eine überweltliche, uns aber auf eine symbolische Weise gewährt sind.

Um dieses uns entsprechenden Weges der Vergöttlichung willen offenbart uns die menschenfreundliche Urquelle aller Weihe die himmlischen Hierarchien und vollendet unsere Hierarchie durch die möglichst treue Verähnlichung mit dem gottähnlichen Priestertum jener zur Mitgenossin im heiligen Dienst. Das also ist der Grund, weshalb sie uns die überhimmlischen Geister in sinnlich wahrnehmbaren Bildern durch die mit heiligem Griffel in den heiligen Schriften gezeichneten Umrisse dargestellt hat, um uns so vermittels des Sinnlichen zum Geistigen und von den heilig umrissenen Sinnbildern aus zu den einfachen Höhenspitzen der himmlischen Hierarchien empor zu führen.

KAPITEL II.

Das Göttliche und Himmlische wird geziemend auch durch die nicht ähnlichen Sinnbilder veranschaulicht.

§ 1.

Nun denn müssen wir, denke ich, zunächst darlegen, was wir als Ziel jeder Hierarchie erachten und welchen Nutzen jegliche ihren Mitgliedern bringt; danach haben wir die himmlischen Hierarchien nach ihrer Offenbarung in den heiligen Schriften zu schildern. Im Anschluss daran müssen wir dann zeigen, in welche heilige Gestalten die heiligen Beschreibungen der Schrift die himmlischen Ordnungen einkleiden und zu welcher Einfachheit man durch die (körperhaften) Gebilde erhoben werden soll, damit wir nicht auch gleich der (ungebildeten) Menge die unheilige Auffassung teilen, als wären die himmlischen und gott-ähnlichen Geister Wesen mit vielen Füßen und vielen Gesichtern und sie seien nach der tierischen Figur von Stieren oder nach der Raubtiergestalt von Löwen gebildet oder sie seien nach dem Bilde der Adler mit einem Krummschnabel oder wie die (kleineren) Vögel mit einem struppigen Gefieder ausgestattet; damit wir nicht [sage ich], uns einbilden, es liefen da gewisse feurige Räder über den Himmel und es seien da Throne aus irdischem Stoff, welche der Urgottheit zum Zurücklehnen dienen, und es gäbe gewisse buntscheckige Pferde und speertragende Kriegsoberste und was sonst alles von der Schrift in heiliger Plastik durch die bunte Fülle der bedeutungsreichen Sinnbilder uns überliefert ist. Denn ganz natürlich hat sich die Offenbarung bei den gestaltlosen Geistern der dichterischen heiligen Gebilde bedient, weil sie, wie. gesagt, auf unser Erkenntnisvermögen Rücksicht nahm und für die ihm entsprechende und naturgemäße Emporführung Fürsorge trug und in Anpassung an dasselbe die anagogischen heiligen Darstellungen aufbildete.

§2

Aber wie, wenn nun jemand damit einverstanden ist, die heiligen figürlichen Darstellungen zwar gelten zu lassen, weil das an sich Einfache unerkennbar und unsichtbar ist, aber doch der Meinung ist, die bildlichen Beschreibungen der heiligen Geister, welche in den heiligen Schriften enthalten sind, seien unpassend und überhaupt sei, so zu sagen, dieser ganze Apparat der Engelnamen absonderlich, und wenn er sagt, die Verfasser der inspirierten Schriften müssten, wenn sie an die körperhafte Darstellung ganz körperloser Dinge herantreten, sie in entsprechenden und nach Möglichkeit naturverwandten Formen aufbilden und offenbaren, indem sie diese Formen von den bei uns geehrtesten und sozusagen stofflosen und höherstehenden Wesen entnehmen, nicht aber die Wesen von himmlischer und gottähnlicher Einfachheit mit dem gemeinsten Gestaltenreichtum, wie er auf Erden zu treffen ist, umkleiden? Das eine Verfahren müsste einerseits nämlich eine stärkere erhebende Kraft für uns besitzen und würde die überweltlichen Offenbarungen nicht zu den unpassenden Unähnlichkeiten herabziehen. Das andere Verfahren aber versündige sich sowohl frevelhaft an den göttlichen Mächten und führe auch gleichermaßen unsern Geist in die Irre, da dasselbe sich auf die unheiligen Bildungen stütze. Und leicht wird er auch glauben, die überhimmlischen Regionen seien mit Löwen- und Pferdeherden und mit einem Hymnengesang von Rindergebrüll und mit einem Reich der Vogelwelt und anderen Tieren und noch unansehnlicheren Dingen erfüllt, welche in den ganz und gar unähnlichen Vergleichen der heiligen Schriften, die doch zur Aufklärung dienen sollen, geschildert werden, indem sie zum Unpassenden, Falschen und Sinnlichen herabgleiten.

Aber die Erforschung der Wahrheit zeigt, wie ich denke, die heiligste Weisheit der Schriften, welche bei der bildlichen Darstellung der himmlischen Geister nach beiden Seiten gute Fürsorge trifft, dass wir weder gegen die göttlichen Mächte, wie einer sagen möchte, freveln, noch dass wir uns sinnlich an den Erdenstaub und die Gemeinheit der Bilder heften. Denn für die Behauptung, dass mit Fug und Recht die Bilder vor das Bildlose und die Gestalten vor das Gestaltlose gewoben sind, möchte einer nicht bloß die uns eigentümliche analoge Erkenntnisweise als Grund anführen, welche nicht im Stande ist, zu den geistigen Betrachtungen sich unmittelbar zu erheben und vielmehr geeigneter, naturgemäßer Mittel zur Emporführung bedarf, welche in den uns fassbaren Gebilden die gestaltlosen und das Natürliche übersteigenden Erkenntnisse verschleiert bieten, sondern auch diesen weiteren Grund, dass dieses Verfahren den geheimnisvollen (heiligen) Schriften am besten ziemt, dass sie nämlich in geheimen und heiligen Rätselworten verborgen werden und dass für die große Menge die geheime und heilige Wahrheit über die überweltlichen Geister unzugänglich gemacht wird. Denn nicht jeder ist heilig und nicht alles ist, wie die Schrift sagt, die Erkenntnis(1 Kor 8,7). Wenn aber jemand die unpassenden Bildzeichnungen anschuldigen wollte, indem er sagte, man müsse sich schämen, so hässliche Gestaltungen unter die gottähnlichen und heiligsten Ordnungen (des Himmels) zu mischen, so genügt für ihn die Antwort, dass die Art und Weise der (bildlichen) Offenbarungen eine doppelte ist

§ 3.

Die eine Art (der Offenbarung) nun nimmt, wie es sich geziemt, ihren Weg durch die ähnlichen, heilig geformten Bilder, die andere [Art] durch die unähnlichen Gestaltungen und formt diese in einer Weise, dass sie ganz ungeziemend und unpassend erscheinen. Bekanntlich bezeichnen die mystischen Überlieferungen der Offenbarungsschriften die verehrungswürdige Seligkeit der überwesentlichen Urgottheit an den einen Stellen als Logos und Nus und Usia (Wort, Geist und Wesen), um die göttliche Vernunft und Weisheit, sowie die wahrhaft seiende Existenz Gottes und die wahre Ursache der Existenz von allem, was ist, zu offenbaren. Und auch als Licht stellen sie die Urgottheit dar und benennen sie als Leben, figürliche, heilige Bezeichnungen, welche zwar ehrwürdiger sind und über die stofflichen Gestaltungen in gewisser Weise erhaben zu sein scheinen, aber auch so hinter einer wirklichen Ähnlichkeit mit der Urgottheit zurückbleiben. Denn sie ist über jegliche Wesenheit und jegliches Leben entrückt, kein Licht gibt es, das sie kennzeichnen mag, gar kein Gedanke (logos) und gar kein Verstand (nous) ist mit ihr zu vergleichen und reicht an eine Ähnlichkeit mit ihr heran.

Andern Orts wird sie aber auch von eben denselben Schriften mit Prädikaten negativer Art überweltlich gefeiert, wenn sie dieselbe nämlich als Unsichtbares, Unermessliches, Unbegrenztes bezeichnen und das hervorheben, woraus nicht abzunehmen ist was sie ist, sondern, was sie nicht ist. Denn das ist meines Erachtens ihr gegenüber auch mehr berechtigt, weil wir, wie die geheime und priesterliche Überlieferung nahe legte, in Wahrheit sagen, dass die Gottheit nicht nach Art eines der bestehenden Dinge existiere, dass wir aber ihre überwesentliche, unerkennbare und unaussprechliche Unbegrenztheit nicht kennen. Wenn also die ,verneinenden Aussagen in Bezug auf das Göttliche wahr, die bejahenden dagegen unzutreffend sind, . so ist dem Dunkel der unaussprechlichen Dinge die Offenbarung vermittels der unähnlichen Gebilde in dem Gebiet des Unsichtbaren mehr angemessen. Mithin erweisen auch die heiligen, bildlichen Züge der Schriften den himmlischen Ordnungen nur Ehre und fügen ihnen keine Schmach zu, wenn sie dieselben vermittels unähnlicher Gestaltungen offenbaren und eben dadurch sie über alles Stoffliche überweltlich erhaben darstellen.

Dass aber auch die unpassenden Vergleichungen unsern Geist besser emporheben, das, denke ich, wird kein Verständiger in Abrede stellen. Denn es ist natürlich, dass man bei den ehrenvolleren heiligen Bildern auch abirre und auf die Meinung kommt, es seien die himmlischen Wesen sozusagen goldartige Männer, lichtgestaltet, funkelnd, von herrlicher Schönheit, in schimmerndes Gewand gekleidet und ohne zu schaden feurig blitzend, oder irgendwelche ähnlich gebildete Figuren, in welchen sonst noch die Offenbarung die himmlischen Geister äußerlich dargestellt hat. Um nun diejenigen, welche keine höhere Schönheit kennen als die äußerlich erscheinende, vor diesem Fehler zu bewahren, lässt sich die anagogische Weisheit der heiligen Verfasser der Offenbarungsschriften auch zu den unpassenden Unähnlichkeiten heilig herab und duldet nicht, dass der sinnliche Teil in uns an den unedlen Bildern haften bleibe und in ihnen ruhe. Sie regt vielmehr das Höhere der Seele an und stachelt sie durch die Missgestalt der entworfenen Bilder auf, da es ja selbst den ganz fleischlichen Menschen nicht zulässig und wahr zu sein scheint, dass diesen so hässlichen Dingen die überhimmlischen und göttlichen Erkenntnisobjekte in Wirklichkeit ähnlich sind. Übrigens muss man auch den Umstand in Betracht ziehen, dass nicht einmal ein einziges der bestehenden Dinge der Teilnahme am Guten ganz und gar beraubt ist; da ja, wie die Wahrheit der Schrift sagt, ,,alles überaus gut ist" (Gen 1,31).

§4

Man kann also aus allem schöne [geistige] Anschauungen ersinnen und sowohl für die hohen wie für die höchsten Geister (noätois te noerois) aus dem Gebiet der Materie die erwähnten sogenannten ,,unähnlichen Ähnlichkeiten" entnehmen. Natürlich besitzen die geistigen (erkennenden) Wesen das in anderer Weise, was den sinnlich wahrnehmbaren verschieden von jenen zugeschrieben ist. Der Zornesmut z.B. liegt in der Natur der vernunftlosen Tiere infolge eines leidenschaftlichen Antriebes und ihre Zorneserregung ist jeglicher Unvernunft voll. Bei den geistbegabten Naturen aber muss man die Eigenschaft des Zornes (to thymikón) auf andere Weise verstehen, denn sie bezeichnet meines Erachtens ihre männlich entschiedene Verständigkeit und ihre unerschütterliche Haltung in den gottentsprechenden und unveränderlichen Bestimmungen. Desgleichen sagen wir von der Begierde, sie sei bei den vernunftlosen Tieren eine aller Umsicht bare, materielle Affektion, welche aus einem angebornen Triebe oder aus Gewöhnung im Wechsel der veränderlichen Dinge ungebändigt auftritt; die Begierde sei die vernunftlose Übermacht des körperlichen Verlangens, welches das ganze Lebewesen zu dem sinnlich begehrenswerten Gut hinstößt. Wenn wir dagegen die ,,unähnlichen Ähnlichkeiten" den geistig erkennenden Wesen beilegen und ihnen Begierde zuschreiben, so müssen wir dabei an die göttliche Liebe zum Geistigen, welche über Gedanke und Verstand erhaben ist, und an die unbeugsame, nie erschlaffende Sehnsucht denken, welche nach der überwesentlich lauteren und leidenschaftslosen Beschauung und nach der wahrhaft ewigen und geistigen Gemeinschaft mit jener reinen und höchsten Klarheit und mit jener untrügerischen, verklärenden Schönheit gerichtet ist. Die Unabhängigkeit dürften wir verstehen als das Straffe und Unentwegte (der Engelnaturen), das durch nichts gebrochen werden kann, weil ihre Liebe zur göttlichen Schönheit ungetrübt und unveränderlich ist und weil sie ganz und gar dem wahrhaft Begehrenswerten zugewandt ist. Aber auch selbst die Vernunftlosigkeit und Empfindungslosigkeit nennen wir zutreffend bei den unvernünftigen Tieren oder den leblosen Körpern Mangel der Vernunft und der Empfindung, bei den immateriellen und intellektuellen Wesen dagegen anerkennen wir ehrfürchtig [mit solchem Ausdruck] die ihnen als überweltlichen Geistern zukommende Erhabenheit über unser diskursives und von der Materie abhängiges Denkvermögen und über das körperliche, den körperlosen Geistern fremde Empfindungsvermögen. Man kann also für die himmlischen Wesen auch aus den niedrigsten Elementen der Materie Gestalten formen, welche nicht unpassend sind. Denn auch die Materie hat ihr Dasein von dem wahrhaft Schönen und besitzt durch alle Reiche ihrer Stoffwelt hindurch gewisse Nachklänge der geistigen Schönheit. Vermittels derselben vermag man sich zu den immateriellen Urbildern zu erheben, vorausgesetzt, dass man, wie gesagt, die Ähnlichkeiten nicht als ähnlich nehme und dieselben nicht auf ein und dieselbe Weise, sondern in entsprechendem Einklang mit den geistigen und sinnfälligen Eigenschaften bestimmt.

§ 5.

Die mystischen Verfasser der inspirierten Schriften kleiden nicht bloß, wie wir finden werden, die Offenbarungen über die himmlischen Ordnungen (Chöre) heilig in diese Bilder ein, sondern bisweilen sogar auch die Mitteilungen über die Urgottheit. Bald gehen sie bei deren Schilderung von den glänzenden äußeren Erscheinungen aus, wenn sie dieselbe z.B. Sonne der Gerechtigkeit (Mal 4,2), den Morgenstern, der heilig im Geiste aufsteigt (Offb 22,16), das Licht, welches unverhüllt und geistig herabstrahlt (Joh1,9), nennen. Bald bedienen sie sich der mittleren Gattung [der sinnlich wahrnehmbaren Gegenstände] und reden von der Gottheit als dem Feuer, das leuchtet ohne zu schaden (Ex 3,2 und Dtn 4,24), als von dem Wasser, das die Fülle des Lebens spendet und, um sinnbildlich zu sprechen, in den Leib eintritt und unerschöpflich fortquellende Ströme [des Lebens] ergießt (Joh 7,38f). Dann hinwieder nehmen sie die niedrigsten Dinge zum Ausgangspunkt, wie z.B. die wohlriechende Salbe( 1 Joh 2,27 und Apg 10,38) oder den Eckstein (Jes 28,16). Ja sogar Tiergestaltung wenden sie auf sie an, legen ihr die Eigenart des Löwen (Hos 13,8) und Panthers (Hos 5,14) bei und sagen, sie werde ein Pardel (Hos 13,7) und eine der Jungen beraubte Bärin(Hos 13,8) sein. Ich will auch noch hinzufügen, was niedriger und ungeziemender als alles andere zu sein scheint, dass nämlich die in göttlichen Dingen bewanderten Männer uns von der Gottheit überliefert haben, dass sie sich selbst die Gestalt eines Wurmes beilegt hat (Vgl Ps 21,7).

Auf diese Weise entrücken alle Gotteskundigen und Ausleger der geheimen Inspiration ,,das Heilige des Heiligen" (Sancta sanctorum) unberührbar den Uneingeweihten und Unheiligen und halten jene abweichende heilige Gestaltenbildung hoch, damit weder das Göttliche den Profanen leicht in die Hände falle, noch die eifrigen Beschauer der heiligen Bilder an den Typen hängen bleiben, als ob diese in sich wahr wären. Der weitere Zweck ist, dass das Göttliche durch die negativen Aussagen und durch die disparaten Anähnelungen, welche sogar bis an die äußerste Grenze des entsprechenden Nachhalls gehen, geehrt werde, Und so ist es also gar nicht ungereimt, wenn die heiligen Schriften auch für die himmlischen Wesen aus den widersprechenden unähnlichen Ähnlichkeiten wegen der erwähnten Gründe bildliche Züge entnehmen.

Auch wir selbst ja würden vielleicht nicht aus dem Zweifel heraus zur Erforschung, nicht durch genaue Untersuchung der heiligen Probleme zum höheren Sinn vorgedrungen sein, wenn uns nicht das Abstoßende der bildlichen Offenbarung über die Engel aufgeschreckt hätte. Es ließ unseren Geist nicht bei den disharmonischen Bildungen verweilen, sondern reizte uns, die materiellen Affektionen in Abrede zu stellen und gewöhnte uns heilig daran, vermittels der äußeren Erscheinungen zu den überweltlichen Erhebungen uns zu erschwingen. Soviel also soll von uns wegen der materiellen und unpassenden bildlichen Darstellungen, welche die heilige Schrift als Engelgestalten bietet, vorausgeschickt sein.

Nunmehr aber müssen wir bestimmen, was wir als das Wesen der Hierarchie selbst betrachten und welchen Nutzen von eben dieser Hierarchie diejenigen gewinnen, welche Anteil an ihr erlangt haben. Den Gang der Abhandlung möge Christus leiten, mein Christus, wenn ich so reden darf, dessen Inspiration alle Offenbarung über die Hierarchie zu verdanken ist. Du aber, mein Sohn, höre gemäß der heiligen Satzung, welche hinsichtlich unserer hierarchischen Überlieferung besteht, für deine Person ehrfurchtsvoll den heiligen Vortrag und werde über der Einweihung in die gotterfüllten Geheimnisse selber gotterfüllt, vor der unheiligen Menge aber bewahre das Heilige, das ja eingestaltig ist, in der Verborgenheit des Geistes. Denn es ist nicht erlaubt, wie die Schrift sagt, die ungetrübte, lichtglänzende und verschönernde Zier der geistigen Perlen vor die Schweine zu werfen (Mt 7,6).

KAPITEL III.

Das Wesen der Hierarchie und ihr Nutzen.

§1

Die Hierarchie ist nach meiner Ansicht eine heilige Stufenordnung, Erkenntnis und Wirksamkeit. Sie will nach Möglichkeit zur Ähnlichkeit mit der Gottheit führen und gemäß den ihr von Gott verliehenen Erleuchtungen in entsprechendem Verhältnis zum Nachbild Gottes erheben. Die Gott eigene Schönheit ist, sofern sie einfach, gut, Urquell aller Vollendung ist, allerdings durchaus jeder Unähnlichkeit (jedem ihr fremdartigen Zug) unnahbar entrückt, sie will aber von ihrem eigenen Licht jedem nach dessen Würdigkeit mitteilen und ihn durch göttlichste Weihevollendung vollkommen machen, indem sie die Jünger der Vollkommenheit harmonisch nach ihrer Unveränderlichkeit gestaltet.

 

§ 2.

Zweck der Hierarchie ist also die möglichste Verähnlichung und Einswerdung mit Gott. Hierbei hat sie ihn selbst zum Lehrmeister in jeglicher hierarchischen Erkenntnis und Wirksamkeit, blickt zu seiner göttlichsten Schönheit unverwandt empor, gibt dieselbe soweit als möglich im Nachbild wieder und vervollkommnet ihre Mitglieder zu göttlichen Bildern, zu lautersten, fleckenlosen Spiegeln, welche im Stande sind, den urgöttlichen Strahl aus der Urquelle des Lichtes in sich aufzunehmen, zu Spiegeln, welche dann, von dem einstrahlenden Glanz heilig erfüllt, diesen hinwieder neidlos über die nächstfolgenden Ordnungen leuchten lassen, sowie es den urgöttlichen Satzungen entspricht. Denn es ist den Trägern der heiligen Weihegewalten oder den Empfängern der heiligen Weihen nicht erlaubt, überhaupt etwas zu wirken, was gegen die heiligen Anordnungen des Urhebers ihrer eigenen Weihe verstößt. Nicht in irgend einem Widerspruch dürfen sie zu ihm stehen, wenn sie seines vergöttlichenden Glanzes begehren und mit geziemender Heiligkeit auf ihn blicken und gemäß dem entsprechenden Grad, den jeder der heiligen Geister einnimmt, nach ihr sich umbilden.

Demnach besagt der Ausdruck ,,Hierarchie" eine gewisse ganz heilige Institution, ein Abbild der urgöttlichen Schönheit, welches in hierarchischen Abstufungen und Erkenntnissen die Mysterien der entsprechenden Erleuchtung heilig auswirkt und Verähnlichung mit dem eigenen Urbild, soweit es nur immer geschehen kann, hervorbringt. Denn für jedes Mitglied der Hierarchie besteht die Vollendung darin, dass es seinem zuständigen Grad entsprechend zum Nachbild Gotte s erhoben werde, ja dass es wahrhaftig, was noch göttlicher als alles andere ist, wie die Schrift sagt, zu einem Mitwirkenden mit Gott werde und in sich selbst die göttliche Wirksamkeit nach Möglichkeit zeige und hervortreten lasse. Durch die Stufenordnung der Hierarchie ist es bedingt, dass die einen gereinigt werden, die andern reinigen, dass die einen erleuchtet werden, die andern erleuchten, dass die einen vollendet werden, die andern vollenden. Und wie nach diesem Gesetz einem jeden das Nachbild Gottes angemessen sein wird, so wird er zur Teilnahme an Gottes Wirken erhoben werden. Die göttliche Glückseligkeit aber ist, nach Menschenart zu reden, jeglicher Vermischung mit irgend einem fremdartigen Element unzugänglich, erfüllt von ewigem Licht, vollkommen und, gar keiner Vollkommenheit ermangelnd, reinigend, erleuchtend und vollendend, besser gesagt, heilige Reinigung, Erleuchtung und Vollendung, die über Reinigung und über Licht erhaben ist, die vor Anbeginn vollkommene subsistierende Urquelle aller Vollkommenheit, die über alles Heilige im Übermaß hinausgerückte Ursache jeglicher Hierarchie.

§ 3.

Es müssen nämlich, wie ich denke, diejenigen, welche gereinigt werden, zu einer ganz vollkommenen Lauterkeit geführt und von jeglicher fremdartigen Beimischung befreit werden. Diejenigen, welche erleuchtet werden, müssen mit dem göttlichen Licht erfüllt und mit ganz heiligen Augen des Geistes zur beschaulichen Verfassung und Befähigung erhoben werden. Die endlich, welche vollendet werden, müssen aus dem Zustand der Unvollkommenheit enthoben und der vollendenden Wissenschaft der geschauten heiligen Geheimnisse teilhaftig gemacht werden. Andrerseits müssen diejenigen, welche Reinigung zu wirken vermögen, bei ihrer Überfülle der Reinheit andern von der eigenen Makellosigkeit mitteilen. Diejenigen, welche zu erleuchten vermögen, müssen als heller durchleuchtete Geister, die zur Aufnahme und Mitteilung des Lichtes ihrer Natur nach geeignet und mit heiligem Glanz ganz glückselig erfüllt sind, das ihr ganzes Wesen überströmende Licht auf die des Lichtes Würdigen überleiten. Diejenigen endlich, welche Vollendung erzeugen, müssen, weil mit der Wissenschaft der vollendenden Mitteilung ausgestattet, die Glieder, welche vollendet werden, durch die ganz heilige Einweisung in die Erkenntnis der geschauten heiligen Geheimnisse zur Vollkommenheit fördern. So wird also jede Stufe der hierarchischen Ordnung gemäß ihrem entsprechendem Rang zur Mitwirksamkeit mit Gott erhoben, indem sie das, was der Urgottheit ihrem Wesen nach in einer unsere Natur überragenden Weise innewohnt und von ihr überwesentlich gewirkt und zum Zweck möglichst getreuer Nachahmung der gottliebenden Geister in der Einrichtung der Hierarchie äußerlich kund getan wird, durch Gnade und gottverliehene Kraft vollendet.

KAPITEL IV.

Die Bedeutung des Namens ,Engel".

§1

Nachdem wir die Hierarchie an und für sich richtig, wie ich denke, nach ihrem Wesen bestimmt haben, müssen wir weiterhin die Hierarchie der Engel beschreiben und die heiligen bildlichen Darstellungen, welche sich von ihr in der heiligen Schrift finden, mit überweltlichen Augen betrachten, damit wir durch die mystischen Gebilde zu ihrer gottähnlichsten Einfachheit erhoben werden und den Urquell aller hierarchischen Erkenntnis in gottgeziemender Ehrfurcht und Danksagung gegen den Urheber aller Weihevollendung feiern. Zuvörderst vor allem ist nun die Wahrheit aufzustellen, dass die überwesentliche Urgottheit allen Wesen des Universums aus Güte Bestand gegeben und sie ins Dasein gerufen hat. Denn es ist dies der Allursache und der über alles erhabenen Güte eigen, die Dinge zur Gemeinschaft mit sich selbst zu rufen, sowie es einem jeden existierenden Wesen seitens des ihm eigenen entsprechenden Verhältnisses bestimmt ist. Alles in der Welt nun erfreut sich der Vorsehung, welche aus der überwesentlichen und all-ursächlichen Gottheit ausgeht. Denn es wäre überhaupt kein Ding, wenn es nicht an dem Wesen und dem Urprinzip von allem Anteil erlangt hätte. Die leb1osen Dinge haben durch ihr Sein an ihm Anteil, denn die über alles Sein erhabene Gottheit ist das Sein aller Dinge. Die belebten (vernunftlosen) Wesen haben an seiner über das Leben erhabenen, Leben schaffenden Macht Anteil. Die vernünftigen und intellektuellen Wesen haben an seiner über alle Vernunft und Intelligenz erhabenen, in sich vollkommenen (absoluten) und unvollkommenen Weisheit Anteil. Es ist klar, dass jene von den Wesen um die Gottheit (zunächst) sind, welche in mehrfacher Weise an ihr Anteil erlangt haben.

§ 2.

Die heiligen Chöre der himmlischen Wesen haben in einem höhern Maß als die Wesen, welche bloß das Sein besitzen, als die unvernünftigen Lebewesen und die vernünftigen Glieder unseres Geschlechtes Anteil an der urgöttlichen Mitteilung. Sie bilden sich in rein geistiger Weise zu Nachbildern Gottes um, schauen überweltlich auf das urgöttliche Vorbild und begehren ihre intellektuelle Gestalt darnach zu formen. Die natürliche Folge davon ist, dass sie stärkere Gemeinschaft mit der Gottheit genießen, da sie beharrlich und immerdar nach dem Höheren, soweit es möglich ist, in der Spannkraft der göttlichen und unwandelbaren Liebe sich nach oben erheben und die Erleuchtungen der Urquelle auf immaterielle und ungetrübte Weise in sich aufnehmen, nach ihnen sich richten und das ganze Leben geistig besitzen. Diese Wesen sind es, die an erster Stelle und vielfältig zur Anteilnahme am Göttlichen gelangen und hinwieder zuerst und in mehrfacher Ar das Verborgene der Urgottheit offenbaren. Deshalb sind sie auch vor allen besonders mit dem Namen ,,Engel" ausgezeichnet, weil die urgöttliche Erleuchtung in sie zuerst einstrahlt und dann durch sie die unsere Erkenntnis überragenden Offenbarungen uns vermittelt werden. So wurde, wie die Gottesoffenbarung sagt, das Gesetz uns durch Engel gegeben. Und Engel waren es, welche unsere großen Väter vor und nach dem Gesetz zum Göttlichen empor führten, sei es dass sie praktische Pflichten lehrten und aus Irrtum und unheiligem Leben auf den geraden Weg der Wahrheit führten, sei es, dass sie heilige Ordnungen oder geheime Gesichte überweltlicher Mysterien oder irgendwelche göttliche Vorhersagungen andeuteten und offenbarten.

§ 3.

Wenn aber jemand meinen sollte, es seien manchen heiligen Männern auch unmittelbar Erscheinungen Gottes an sich geworden, so möge er deutlich aus den heiligen Schriften erkennen, dass niemand das verborgene, eigentliche Wesen Gottes gesehen hat, noch je sehen wird. Aber in den Gottes würdigen Offenbarungen sind vermittels heiliger, den Schauenden entsprechender Visionen den Heiligen Theophanien gewährt worden. Die ganz weise Gotteswissenschaft (,,theologia") nennt die so beschaffene Vision, welche die Züge des göttlichen Bildes, insofern Gestaltloses durch Gestaltetes wiederzugeben ist, in sich aufzeigte, auf Grund anagogischen Aufschwunges des Schauenden zum Göttlichen mit Recht "Gotteserscheinung" ("Theophaneia"). Wird ja durch sie den Schauenden eine göttliche Erleuchtung eingestrahlt und die heilige Einführung in irgend ein Geheimnis des Göttlichen vermittelt. Unsere großen Vorväter wurden durch das Dazwischentreten der himmlischen Mächte in diese göttlichen Visionen eingeweiht. Oder sagt nicht die Überlieferung der heiligen Schrift, dass die heilige Gesetzgebung von Gott auf eben diesem Weg dem Moses verliehen worden ist, um uns wahrheitsgetreu darüber geheimnisvoll zu unterrichten, dass jenes Gesetz (vorn Sinai) ein Ausdruck des göttlichen und heiligen Gesetzes sei. Aber weise lehrt die Offenbarung Gottes, nach welcher jenes Gesetz durch Engel zu uns gekommen ist, auch dies, dass infolge der durch die göttliche Gesetzgebung festbestimmten Ordnung die Glieder der zweiten Ordnung durch die der ersten Ordnung zum Göttlichen emporgeführt werden. Denn nicht bloß bei den höherstehenden und tieferstehenden Geistern, sondern auch unter den gleichstufigen ist von dem überwesentlichen Prinzip aller Rangordnungen diese Satzung bestimmt, dass es in jeder Hierarchie erste, mittlere und letzte Ordnungen und Mächte gebe und dass die göttlicheren den geringeren als Mystagogen und Führer zur Nähe, zur Erleuchtung und Gemeinschaft Gottes dienen.

§ 4.

Ich sehe, dass Engel auch zuerst in das göttliche Geheimnis der Menschenliebe Jesu eingeweiht wurden und durch sie dann die Gnade der Erkenntnis zu uns gelangte. So nun machte der göttlichste (Engel) Gabriel den Hohenpriester (Hierarchäs) Zacharias mit dem Geheimnis vertraut, dass der Sohn, welcher wider Erwarten durch Gottes Gnade ihm geboren würde, ein Prophet der menschlichen Gottestätigkeit Jesu sein werde, welche der Welt zum Segen und Heil erscheinen sollte. Maria aber belehrte derselbe Gabriel, dass in ihr das urgöttliche Geheimnis der unaussprechlichen Gott-gestaltung (Fleischwerdung Gottes) sich vollziehen werde. Ein anderer Engel unterrichtete Joseph, dass die Versprechungen, welche auf göttlichem Weg seinem Ahnherrn David gemacht worden, in Wahrheit erfüllt seien. Wieder ein anderer brachte den Hirten, da sie durch Absonderung von der großen Menge und Ruhe eines reinen Herzens waren, die frohe Botschaft und mit ihm ließ eine himmlische Heerschar die Menschen auf Erden jenen vielgepriesenen Lobgesang vernehmen.

Lasst uns aber auch zu den höchsten Lichtstrahlungen der Schrift emporblicken. Denn ich sehe, dass Jesus selbst, die überwesentliche Ursache der überhimmlischen Wesen, als er ohne irgend eine Veränderung zu erleiden zu unserer Natur gekommen war, von der schönen, seiner Menschheit geziemenden Ordnung, die von ihm selbst bestimmt und erwählt worden, nicht abging, sondern gehorsam den durch Engel vermittelten Weisungen seines Vaters und Gottes sich unterwarf. Durch ihre Vermittlung wird Joseph die vom Vater verordnete Flucht des Sohnes nach Ägypten und ebenso die Rückkehr aus Ägypten nach Judäa angekündigt. Und durch Engel sehe ich Jesus selbst unter die Befehle seines Vaters sich unterordnen, denn ich unterlasse es, dir, der die in unsern priesterlichen Überlieferungen enthaltenen Offenbarungen kennt, auch über den Engel zu sprechen, der Jesus stärkte, oder davon zu reden, dass Jesus sogar selbst gemäß seiner rettenden Heilstätigkeit an uns, nachdem er einen Offenbarungsberuf angetreten hatte, ,,Engel (= Bote) des großen Ratschlusses" genannt worden ist. Denn wie er selbst mit Worten, die auf einen Engel (Boten) passen, sagt, hat er uns von allem Botschaft gebracht, was er von seinem Vater gehört hatte.

KAPITEL V.

Warum alle himmlischen Wesen mit dem gemeinsamen Namen ,,Engel" bezeichnet werden.

Das also ist nach unserm Dafürhalten der Grund, warum die heilige Schrift den Namen ,,Engel" gebraucht. Wir müssen aber auch, denke ich, untersuchen, warum die inspirierten Schriftsteller einerseits die himmlischen Wesen gemeinsam ,,Engel" heißen, andrerseits aber, wenn sie an die Darstellung ihrer überweltlichen Ordnungen herantreten, den besonderen Namen ,,Engel" nur derjenigen Abteilung geben, welche die göttlichen und himmlischen Stufen zu unterst abschließt und vollendet, dagegen den Erzengeln, Fürstentümern, Gewalten, Mächten und allen Ordnungen, welche die Offenbarungsüberlieferung der Schrift als diesen überlegene Wesen erkennt, einen höhern Platz über ihnen anweisen. Wir behaupten nun, dass in jeder heiligen Ordnung die höhern Abteilungen auch die Erleuchtungen und Kräfte der tieferstehenden besitzen, dass dagegen die letzten Stufen der Vorzüge der höhern nicht teilhaftig sind. So nennen also die Verfasser der Offenbarungsschriften die heiligsten Rangstufen der höchsten Wesen auch Engel, denn auch sie offenbaren die urgöttliche Einstrahlung. Die letzte Ordnung der himmlischen Geister aber kann man nur widersinnig Fürstentümer, Throne oder Seraphim nennen, denn sie hat keine Gleichstellung mit den höchsten Mächten. Wie dieselbe vielmehr unsere gotterfüllten Hierarchien zu den von ihr erfassten Strahlen der Urgottheit empor führt, so haben die ganz heiligen Mächte der ihr übergeordneten Wesen die Fähigkeit, diese die himmlischen Hierarchien abschließende Ordnung zu Gott zu erheben. Es müsste denn etwa einer auch dieses sagen, dass alle Namen der Engel gemeinsam seien, weil alle himmlischen Mächte in Hinsicht auf die Gottähnlichkeit und die aus Gott strömende Lichtfülle einen schwächeren oder intensiveren Anteil besitzen. Damit aber unsere Abhandlung in besser geschiedener Einteilung verlaufe, lasst uns mit heiliger Ehrfurcht die heiligen Eigentümlichkeiten jeder einzelnen himmlischen Ordnung sehen, wie sie in den heiligen Schriften vor Augen gestellt sind.

KAPITEL VI.

Die erste, zweite und dritte Ordnung (Trias) der. himmlischen Wesen.

§ 1

Wie viele Ordnungen der überhimmlischen Wesen es gibt, wie beschaffen sie sind und wie ihre Hierarchien vollendet werden, das weiß nur, wie ich denke, das göttliche Urprinzip derselben. Auch sie selbst erkennen ferner meines Erachtens ihre eigenen Kräfte und Erleuchtungen und ihre heilige und überweltliche, schön abgestufte Ordnung. Denn für uns ist es unmöglich, die Geheimnisse der überhimmlischen Geister und ihre heiligsten Vollkommenheiten zu erkennen, außer insoweit als uns die Urgottheit durch die Engel selbst, die ja mit den eigenen Eigentümlichkeiten wohl vertraut sind, in diese eingeweiht hat. Sonach wollen wir nichts aus eigenem Antriebe vorbringen; was aber die Verfasser der heiligen Schriften von den Engeln in Bildern gesehen haben, das wollen wir, nachdem wir darüber geheimnisvolle Lehren empfangen haben, nach besten Kräften auseinandersetzen.

§ 2.

Die Offenbarung hat den sämtlichen himmlischen Wesen neun Namen gegeben, die über sie Aufschluss bieten. Der göttliche Lehrer, der uns in die heilige Wissenschaft einweihte, gruppiert sie in drei dreiteilige Ordnungen. Die erste, sagt er, ist diejenige, welche immerdar um Gott steht und, wie die Überlieferung sagt, ununterbrochen und, den andern voraus, unmittelbar mit ihm vereinigt ist. Denn die Offenbarung der heiligen Schriften, sagt er, habe überliefert, dass die heiligsten Throne, die mit vielen Augen und vielen Flügeln versehenen Rangstufen, Cherubim und Seraphim nach dem hebräischen Worte genannt, gemäß ihrer alle übertreffenden Nähe unmittelbar um Gott gestellt sind. Diese triadische Ordnung bezeichnete unser großer Meister gleichsam als eine [einzige] und eine gleichstufige und eigentlich erste Hierarchie. Keine andere ist Gott ähnlicher und den unmittelbaren Ausstrahlungen der Urgottheit direkt näher unterstellt als diese. Die zweite Triade, sagt er, sei diejenige, welche von den Gewalten, Herrschaften und Mächten gebildet wird. ,Die dritte Triade unter den letzten der himmlischen Hierarchien bestehe aus den Engeln, Erzengeln und Fürstentümern.

KAPITEL VII.

Die Seraphim, Cherubim und Throne und die erste von ihnen gebildete Hierarchie.

§ 1.

Indem wir die geschilderte Stufenfolge der heiligen Hierarchien gelten lassen, behaupten wir, dass jegliche Benennung der himmlischen Geister eine Offenbarung über die gottähnliche Eigentümlichkeit eines jeden enthält. Der heilige Name der Seraphim bedeutet nach den Kennern des Hebräischen entweder ,,Entflammer" oder ,,Erglüher"; der Name ,,Cherubim" dagegen ,,Fülle der Erkenntnis" oder ,,Ergießung der Weisheit". Mit Recht wird nun der heilige (liturgische) Dienst in der ersten himmlischen Hierarchie von den allerhöchsten Wesen versehen; denn diese hat eine höhere Rangstufe als alle übrigen und die unmittelbar gewirkten Gottesoffenbarungen und Einweihungen (in das Göttliche) werden ursprünglicher auf sie übergeleitet, weil sie (Gott) am nächsten steht. ,,Erglüher" und ,,Ergießung der Weisheit" werden nun auch die Throne genannt, ein Name, der ihre geottähnliche Beschaffenheit offenbart. Denn der Name der Seraphim lehrt und offenbart ihre immerwährende und unaufhörliche Beweglichkeit um das Göttliche, ihre Glut, ihre Schärfe, das Übereifrige ihrer beständigen, unablässigen, nie wankenden Immerbewegung, ihre Eigenschaft, die tieferstehenden Ordnungen, sofern sie dieselben zu einer ähnlichen Glut entfachen und entzünden, empor führend wirksam sich anzugleichen, ihre Kraft, in brennenden und alles verzehrenden Flammen zu reinigen, ihren Charakter, der kein Verhüllen und kein Erlöschen zulässt, der immer sich gleichmäßig verhält, lichtartig und lichtspendend, Verscheucher und Vernichter jeder lichtlosen Verdunkelung ist. Der Name der Cherubim offenbart ihre Gabe des Erkennens und Gottschauens, ihre Fähigkeit, die höchste Lichtmitteilung aufzunehmen und die urgöttliche Schönheit in ihrer direkt und unmittelbar wirkenden Macht zu schauen, ihr Geschaffensein für die weisemachende Mitteilung und ihren Drang, durch Ergießung der von Gott geschenkten Weisheit neidlos mit den Wesen zweiter Ordnung in Gemeinschaft zu treten. Der Name der höchsten und erhabenen Throne bezeichnet, dass sie jeder erdhaften Niedrigkeit ungetrübt enthoben und, dass sie überweltlich nach oben streben und von dem untersten Gliede unerschütterlich weggerückt und, dass sie um das wahrhaft Höchste mit ganzer Vollkraft ohne Wanken und sicherstehend gestellt sind, dass sie der Einkehr Gottes in aller Freiheit von sinnlichen, materiellen Störungen genießen, dass sie Gottesträger und für den Empfang der göttlichen Erleuchtungen ehrfurchtsvoll erschlossen sind.

§ 2

Dieses also ist nach unserer Auffassung die Erläuterung ihrer Namen. Es ist nun zu zeigen, was wir als das (besondere) Wesen ihrer Hierarchie betrachten. Denn dass das Ziel jeder Hierarchie unwandelbar auf die Nachbildung Gottes und Ähnlichkeit mit ihm gerichtet ist und dass die Funktion jeder Hierarchie in das heilige Empfangen und Mitteilen ungetrübter Reinheit, göttlichen Lichtes und vollendender Erkenntnis zerfalle, das glaube ich genügend schon besprochen zu haben. Jetzt aber wünsche ich in einer der höchsten Geister würdigen Weise zu sagen, wie ihre Hierarchie durch die heilige Schrift geoffenbart wird. Für die ersten Wesen, welche gleich nach der Urgottheit, der sie ihr Sein verdanken, ihre Stellung haben und sozusagen in der Vorhalle derselben ihren Platz einnehmen und so jeglicher sichtbaren und unsichtbaren geschöpflichen Macht übergeordnet sind, muss man eine eigene und in jeder Beziehung gleichgeartete Hierarchie annehmen.

Für rein muss man diese Geister erachten, nicht nur insofern, als ob sie von unheiligen Flecken und Makeln befreit und materiell-sinnlichen Phantasievorstellungen unzugänglich wären, sondern in dem Sinne, dass sie ungetrübt über jede Schwächung und über alles minder Heilige hinaus entrückt sind; dass sie gemäß ihrer höchsten Heiligkeit vor allen gottähnlichsten Mächten einen höheren Rang besitzen und entsprechend ihrer unveränderlichen Gottesliebe den ihnen eigenen, von ständiger und gleichmäßiger Bewegung (der Liebesglut) erfüllten Stand unerschütterlich behaupten; (in dem Sinne, sage ich,) dass sie das Sinken zum Geringeren in irgend welcher Richtung ganz und gar nicht kennen, sondern die ungetrübteste Festigkeit ihrer entsprechenden, gottähnlichen Eigenart ohne Wanken und Wechseln immerdar bewahren.

Als beschauend muss man sie anerkennen, nicht als ob sie Beschauer von sinnlich wahrnehmbaren und geistig zu deutenden Symbolen wären und durch die bunte Fülle der auf heilige Bilder gestützten Betrachtung zum Göttlichen erhoben würden, sondern insofern, als sie mit einem Lichte erfüllt sind, das jegliche immaterielle Erkenntnis übertrifft, und mit der Beschauung jener Urschönheit, welche Schönes schafft, überwesentlich ist und in dreifachem Strahle leuchtet, soweit als möglich ersättigt werden. Man muss ferner annehmen, dass sie auf dieselbe Weise der Gemeinschaft mit Jesus gewürdigt sind, nicht vermittels heilig gestalteter Bilder, welche in äußeren Formen die Verähnlichung mit der Wirksamkeit Gottes ausprägen, sondern auf Grund des wahrhaften Nahetretens zu ihm, welches sich in der (unmittelbaren) ersten Anteilnahme an der Erkenntnis des Lichtes seiner Gottestaten vollzieht. Desgleichen ist zu glauben, dass ihnen das Nachahmen Gottes in der sublimsten Weise verliehen ist und dass sie, soweit es immer geschehen kann, in unmittelbarer Kraftwirkung an seinen in Gotteswerken und Menschenliebe betätigten Tugenden teilhaben.

Vollendet müssen wir desgleichen diese Engel erachten, nicht etwa, weil sie mit einer diskursiven, aus einer heiligen Mannigfaltigkeit (von Symbolen) gewonnenen Erkenntnis erleuchtet würden, sondern weil sie mit der ersten und vorzüglichsten Gnade der Vergottung erfüllt werden, sowie es der höchsten den Engeln möglichen Erkenntnis des göttlichen Waltens entspricht. Denn nicht durch andere heilige Wesen sondern unmittelbar von der Urgottheit werden sie hierarchisch vollendet, weil sie durch die ihnen eigene, alles übertreffende Kraft und Rangstellung unmittelbar zu ihr sich aufschwingen. Und demnach sind sie in der vollkommenen Heiligkeit und im höchsten Grade der Unerschütterlichkeit fest begründet, sie werden zur immateriellen und geistigen Schönheit, soweit es möglich ist, zum Zwecke beschaulicher Erkenntnis erhoben und, als der erste um Gott gebildete Kreis, in die ihrer Einsicht zugänglichen Pläne der Gottestaten unmittelbar von der Urquelle aller Weihevollendung eingeweiht und auf die erhabenste Weise hierarchisch vollendet.

§ 3.

Die Tatsache, dass die tieferstehenden Ordnungen der himmlischen Wesen von den höheren in der Erkenntnis der Gottestaten unterwiesen, dass hingegen die allerobersten Stufen von der Urgottheit selbst, soweit es möglich ist, mit geheimnisvollen Lehren erleuchtet werden, sprechen die Verfasser der Offenbarungsschriften deutlich aus. Denn einige der Engel schildern sie, wie diese von den höheren heilig in jenes Geheimnis eingeweiht werden, dass derjenige, welcher in menschlicher Gestalt in den Himmel aufgenommen wurde, der Herr der himmlischen Mächte und der König der Glorie sei. Bei andern Engeln offenbaren sie deren Ungewissheit Jesu selbst gegenüber und wie sie die Kenntnis über sein für uns vollbrachtes Gotteswerk erlangen, wie Jesus selbst sie unmittelbar geheimnisvoll belehrt und ihnen in erster Mitteilung sein menschenfreundliches Heilswerk offenbart. ,,Ich, sagt er nämlich, lehre Gerechtigkeit und ein Gericht des Heils". Ich muss mich aber wundern, dass auch die ersten der himmlischen Wesen, welche die andern so weit überragen, die urgöttlichen Erleuchtungen nur mit Ehrfurcht ersehnen, wie sie ja nur mit den mittlern Flügeln fliegen. Denn nicht ohne weiteres fragen sie: ,,Warum sind deine Kleider rotgefärbt?" Sie sind vielmehr erst bei sich selbst im Zweifel und geben zu verstehen, dass sie lernen wollen und nach der Erkenntnis des göttlichen Wirkens begehren, keineswegs aber der Erleuchtung vorauseilen, welche ihnen nach dem Gesetze des göttlichen Hervortretens beschieden ist.

Es wird also die erste Hierarchie der himmlischen Geister unmittelbar von dem Urprinzip aller Weihevollendung durch die direkte Erhebung zu demselben hierarchisch vervollkommnet, mit der allerheiligsten Reinheit es unermesslichen Lichtes der übervollkommenen Weihewirkung im entsprechenden Verhältnis erfüllt und so gereinigt, erleuchtet und zur Vollendung geführt, durch kein Sinken nach unten getrübt, mit dem ursprünglich ersten Licht erfüllt und durch Teilnahme an der erstverliehenen Erkenntnis und Wissenschaft vollendet. In Kürze dürfte ich wohl auch mit Recht dieses sagen, dass sowohl die Reinigung wie die Erleuchtung und Vollendung nichts anderes als die Mitteilung des urgöttlichen Wissens ist, welche (erstens) gewissermaßen von der Unwissenheit durch die nach Gebühr verliehene Kenntnis der vollkommenem Einweihungen reinigt, welche zweitens durch eben jene göttliche Erkenntnis dann erleuchtet, durch welche sie auch die vorige Stufe des Wissens reinigt, in der man noch nicht alles das schaute, was jetzt durch die höhere Erleuchtung geoffenbart wird, (welche endlich drittens) durch eben das Licht, das ist durch das zuständlich dauernde Wissen der lichtvollsten Einweihungen auch vollendet.

§ 4.

Diese also ist, soweit ich es verstehe, die erste Ordnung der himmlischen Wesen. Sie steht unmittelbar in der Runde um Gott und um Gott her, in unablässigem Reigen bewegt sich ihr einfaches Denken in der ewigen Erkenntnis Gottes, wie es der immer bewegten, höchsten Rangstellung unter den Engeln entspricht. Sie genießt reinen Blickes viele wonnevolle Anschauungen, sie wird von einfachen und unmittelbaren Strahlen funkelnd erleuchtet und mit göttlicher Speise gesättigt, die zwar in der ersten Ergießung aus der Quelle eine reiche Fülle darstellt, aber bei der Einheitlichkeit der urgöttlichen Labung, welche kein Vielerlei verwandelt, doch nur eine ist. Diese ist einer intensiven Gemeinschaft und Mitwirksamkeit, mit. Gott infolge der möglichsten Verähnlichung ihrer herrlichen Eigenschaften und Tätigkeiten gewürdigt; sie erkennt in bevorzugter Weise viele Geheimnisse des Göttlichen und ihr ist, soweit es statthaft ist, die Teilnahme an göttlichem Wissen und Erkennen gewährt.

Deshalb hat auch die Offenbarung den Menschen auf Erden deren Lobgesänge überliefert, in welchen sich der Vorzug ihrer höchsten ,Erleuchtung heilig kundgibt. Denn die einen Glieder dieser Hierarchie lassen, um die Sprache der Sinne zu reden, gleichwie das Rauschen vieler Wasser den lauten Ruf erschallen: ,,Hochgelobt (sei) die Herrlichkeit des Herrn an ihrem Ort". Die andern erheben jenen vielgerühmten und tiefster Ehrfurcht vollen Gottespreis: ,,Heilig, heilig, heilig ist dem Herr der Heerscharen, die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit". Diese erhabensten Lobgesänge dem überhimmlischen Geister haben wir bereits in dem Werk ,,Über die göttlichen Hymnen" nach unserm Vermögen erläutert und es ist über sie daselbst unserm Stand entsprechend das Ausreichende gesagt. Es genügt, daraus für den gegenwärtigen Moment nur dies eine wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass die erste Ordnung, nachdem sie von dieser urgöttlichen Güte mit der Wissenschaft Gottes nach Möglichkeit erleuchtet worden ist, auch den unter ihr folgenden Stufen der Reihe nach als eine gütig geartete Hierarchie mitgeteilt hat, Und damit legt sie, um mich kurz auszudrücken, diese Wahrheit nahe, dass es mit gutem Grund sich zieme, dass die Ehrfurcht heischende, über die Maßen zu preisende und allgepriesene Urgottheit von den gottaufnehmenden (theodochon) Geistern nach Möglichkeit erkannt und gepriesen werde. Denn diese sind, wie die Schrift sagt, die göttlichen Ruheorte der Urgottheit. Eine zweite Wahrheit lehrt uns der Lobgesang dieser Hierarchie, dass nämlich die Gottheit eine Monas und Einheit in drei Hypostasen ist, welche von den überhimmlischen Wesen bis zu den äußersten Dingen dieser Erde herab ihre liebreichste Vorsehung über die ganze Schöpfung erstreckt, da sie überursprünglicher Ursprung und Grund jedes Dinges ist und alles mit unbezwingbarer Umschließung zusammenhält.

KAPITEL VIII.

Die Herrschaften, Gewalten und Mächte und die mittlere von ihnen gebildete Hierarchie.

§ 1.

Wir müssen nunmehr zur mittleren Ordnung der himmlischen Geister übergehen, indem wir nach Möglichkeit jene Herrschaften und die wahrhaft machtvollen Betrachtungsbilder (theamata) der göttlichen Gewalten und Mächte mit überweltlichen Augen schauen. Denn jeglicher Name der uns überragenden Wesen offenbart die Gott nachgebildeten Eigentümlichkeiten ihrer gottähnlichen Natur.

Der redende Name der heiligen Herrschaften offenbart meines Erachtens einen gewissen unbezwingbaren und von jedem Sinken zum Irdischen freien Aufschwung nach oben, ein Herrschertum, welches gar nicht irgend einer Entartung ins Tyrannische in irgend einer Weise überhaupt zuneigt und in edler Freiheit kein Nachlassen kennt, ein Herrschertum, welches, jeder erniedrigenden Knechtung entrückt, jedem Erschlaffen unzugänglich und, über jegliche Unähnlichkeit (Selbstentfremdung) erhaben, unaufhörlich nach dem wahren Herrschertum und der Urquelle alles Herrschertums hinstrebt und nach der herrschgewaltigen Ähnlichkeit mit demselben soweit als möglich sich selbst und gütig auch das unter ihm Stehende umbildet, ein Herrschertum, welches keinem der eitlen Scheindinge, sondern dem wahrhaft Seienden gänzlich zugewendet ist und immer, soweit es ihm gestattet ist, an der Ähnlichkeit mit Gott als dem Urquell des Herrschertums teilnimmt.

Der Name der heiligen Mächte bezeichnet nach meiner Meinung eine gewisse männliche und unerschütterliche Mannhaftigkeit in Hinsicht auf alle ihre gottähnlichen Tätigkeiten, welche bei der Aufnahme der ihr verliehenen urgöttlichen Erleuchtungen durchaus keine kraftlose Schwäche zeigt, sondern mächtig zur Gottähnlichkeit aufstrebt, eine Mannhaftigkeit, welche durch keine Unmännlichkeit von ihrer Seite die gottähnliche Bewegung aufgibt, sondern vielmehr unentwegt auf die überwesentliche und machtbildende Macht hinblickt und deren machtspiegelndes Abbild wird, welche zu ihr als der Urquelle der Macht mächtig hingekehrt ist und zu den Wesen der tieferen Ordnung machtspendend und gottähnlich heraustritt.

Der Name der heiligen Gewalten, welche mit den göttlichen Herrschaften und Mächten auf gleicher Stufe stehen, besagt, wie ich glaube, die wohlgeordnete und unverwirrbare Harmonie bei Aufnahme des Göttlichen und das Festbestimmte der überweltlichen und geistigen Gewaltstellung, welche die aus der Gewalt fließenden Kräfte nicht mit tyrannischer Willkür zu den minderen Zwecken missbraucht, sondern unbesiegbar zum Göttlichen in schöner Ordnung empordringt und die tieferstehenden Wesen gütig aufwärts leitet, welche der gewaltschaffenden Urquelle der Gewalt soweit als möglich sich verähnlicht und sie kräftigst nach den wohlgeordneten Stufen der aus der Gewalt fließenden. Macht den Engeln einstrahlt.

Im Besitz dieser gottähnlichen Eigentümlichkeiten wird die mittlere Ordnung der himmlischen Geister nach der erwähnten Weise von den urgöttlichen Erleuchtungen, welche ihr an zweiter Stelle durch die erste hierarchische Ordnung eingestrahlt und durch deren Vermittlung als Offenbarungen des zweiten Grades zugeführt werden, gereinigt, erleuchtet und vollendet.

§ 2.

Zuverlässig werden wir nun die Tatsache, dass in besagter Weise von einem Engel zum andern die Kunde durch Rede vermittelt wird, zum Maßstab dafür nehmen, wie sich die Vervollkommnung auf weitere. Entfernung vollzieht und über dem Heraustreten in die tiefere Ordnung verdunkelt wird. Wie die Kenner unserer heiligen Weihen sagen, dass die unmittelbare Erfüllung mit dem göttlichen Lichte vorzüglicher sei als die Mitteilung seitens anderer, welche Gott zu schauen gewürdigt werden,. so ist auch nach meinem Dafürhalten die unmittelbare Anteilnahme jener Engelordnungen, welche an erster Stelle zu Gott sich erheben, lichtvoller als die der mittelbar zur Vollkommenheit geführten Geister. Deshalb werden auch von unserer priesterlichen Überlieferung die obersten Engel vollendende, erleuchtende und reinigende Mächte der tieferstehenden genannt, insofern diese durch jene zum überwesentlichen Prinzip aller Dinge empor geführt werden und, soweit es ihnen gestattet ist, an der Reinigung, Erleuchtung und Vollendung, die von dem Urquell aller Weihe und Vollendung ausgehen, Anteil nehmen.

Denn das ist überhaupt ein von dem göttlichen Prinzip aller Ordnung (taxiarchia) in gottgeziemender Weise .aufgestelltes Gesetz, dass die Glieder der zweiten Ordnung durch Vermittlung der ersten an den urgöttlichen Einstrahlungen teilhaben.

Du wirst aber auch bei den inspirierten Schriftstellern dieses Gesetz oft geoffenbart finden. Denn als die väterliche Menschenfreundlichkeit Gottes Israel zum Zwecke der Bekehrung und heiligen Rettung in Zucht genommen und strafenden, grausamen Völkern zur Besserung überliefert hatte, da ließ er, unter mannigfacher Hinleitung seiner Schützlinge zum Besseren, sie aus der Gefangenschaft auch wieder ziehen und führte sie abermals in die frühere glückliche Lage liebreich zurück. Einer der Propheten, Zacharias, sieht da einen Engel, der meines Erachtens zu den ersten gehört, welche um Gott stehen (denn der Name Engel ist, wie gesagt, allen gemeinsam), wie er unmittelbar von Gott die tröstlichen Worte über diese Tatsache, wie erwähnt, vernimmt. Dann sieht er einen andern der untergeordneten Engel dem ersten entgegeneilen, wie zur Aufnahme und Mitteilung der Erleuchtung, und ihn alsdann von jenem als Hierarchen in den göttlichen Ratschluss eingeweiht werden ,und sieht an ihn den Auftrag erteilt, dem Propheten die geheime Kunde mitzuteilen, dass Jerusalem in reicher Fruchtbarkeit blühend von einer Menge Menschen werde bewohnt werden. Ein anderer der Propheten aber, Ezechiel, sagt, dass dieses Gesetz in allheiliger Weise von der über den Cherubim thronenden, überherrlichen Gottheit selbst sei aufgestellt worden. Denn als die väterliche Menschenfreundlichkeit, wie gesagt, Israel auf dem Weg der Zucht zur Besserung hinlenkte, erachtete sie es in gottgeziemender Gerechtigkeit für angemessen, die Schuldigen von den Unschuldigen abzusondern. In diesen Ratschluss wird nach den Cherubim zuerst der Engel eingeweiht, dessen Hüfte mit einem Saphirgürtel umgürtet ist und der zum Zeichen der hierarchischen Würde das bis zu den Füßen niederwallende Kleid trägt. Den andern Engeln aber, welche die Beile tragen, befiehlt die göttliche Urordnung, von dem ersten Engel über die hierin von Gott getroffene Sonderung sich belehren zu lassen. Denn dem einen gebietet er, mitten durch Jerusalem zu gehen und auf die Stirne der unschuldigen Männer das Zeichen zu machen. Den andern aber sagt er: Geht hinter ihm her in die Stadt und haut nieder und schont nicht vor euren Augen, aber an alle, an welchen das Zeichen ist, tretet nicht heran. Was möchte einer über den Engel sagen, der zu Daniel sprach: ,,Das Wort ist ergangen" oder über jenen ersten Engel selbst, der das Feuer aus der Mitte der Cherubim empfing. Oder, was ein noch stärkerer Beweis als dieser für die schöne Stufenordnung, der Engel ist, dass die Cherubim das Feuer in die Hände jenes legen, der mit dem weißen Kleid angetan ist. Oder über den Engel, welcher den göttlichsten Gabriel rief und ihm sagte: Lasse ihn die Vision erkennen, oder was sonst alles von den heiligen Propheten über die gottähnliche Wohlordnung der himmlischen Hierarchien gesagt ist. Wenn sich ihr die Ordnung unserer Hierarchie nach Möglichkeit verähnlicht, so wird sie die engelhafte Schönheit wie in Abbildern besitzen, da sie durch jene gestaltet und zur überwesentlichen Urordnung jeder Hierarchie emporgeführt wird.

KAPITEL IX

Die Fürstentümer, Erzengel und Engel und die letzte von ihnen gebildete Hierarchie

§ 1.

Es ist für die heilige Betrachtung noch die Ordnung übrig, welche die Hierarchien der Engel abschließt und von den gottähnlichen Fürstentümern, Erzengeln und Engeln gebildet wird. Zuerst nun glaube ich nach meinen besten Kräften die Aufschlüsse, welche in ihren heiligen Namen enthalten sind, erläutern zu müssen. Denn der Name der Fürstentümer (archai) bezeichnet den gottähnlichen Fürsten- und Führercharakter der himmlischen Fürstentümer in Verbindung mit der heiligen und den Fürstengewalten bestgeziemenden Ordnungsstufe, ferner ihre gänzliche Hinwendung zum überfürstlichen Fürstentum und ihre fürstliche Leitung anderer; endlich ihre möglichst treue Nachbildung nach eben jenem Prinzip, das Fürstenherrschaft schafft, und die Offenbarung des überwesentlichen Urgrundes aller Stufenordnung vermittels der Musterordnung der fürstlichen Gewalten.

§ 2.

Der Chor der heiligen Erzengel steht mit den himmlischen Fürstentümern auf gleicher Stufe. Denn sie und die Engel bilden, wie ich sagte, eine [einzige] Hierarchie und Ordnung. Da es nun aber keine Hierarchie gibt, welche nicht erste, mittlere und letzte Mächte besäße, so hält der heilige Chor der Erzengel durch seine Mittelstellung in der Hierarchie die (beiden) Endglieder gemeinschaftlich zusammen; denn er steht in Gemeinschaft mit den heiligsten Fürstentümern und mit den heiligen Engeln, mit den einen, weil er zur überwesentlichen Fürstenhoheit in fürstlicher Weise hingewendet ist und ihr soweit als möglich sich nachbildet und gemäß seinen wohlgeordneten, festbestimmten und unsichtbaren Führungen die Engel ins Eine vereinigt. Mit den andern hat er Gemeinschaft, weil auch er die Stellung von Dolmetschern einnimmt, insofern er die urgöttlichen Erleuchtungen durch Vermittlung der ersten Machte in sich hierarchisch aufnimmt und sie dann den Engeln gütig offenbart und vermittels der Engel auch uns kund tut, wie es dem heiligen Grad eines jeden der göttlich Erleuchteten entspricht.

Denn die Engel schließen, wie wir schon gesagt haben, die sämtlichen Ordnungen der himmlischen Geister ergänzend ab, weil sie unter den himmlischen Wesen das Eigentümliche der Engelnatur im untersten

Grade besitzen. Und sie werden von uns mit um so größerem Recht gegenüber. den höheren Geistern ,,Engel" genannt, weil ihre Hierarchie auch mehr im Gebiet des mehr Sichtbaren ist und der irdischen Welt näher steht. Denn man muss annehmen, dass die höchste Ordnung, wie gesagt, weil sie dem Verborgenen in erster Rangstufe zunächst steht, auf verborgene Art die zweite Ordnung hierarchisch leite, diese zweite aber, welche von den heiligen Herrschaften, Mächten und Gewalten gebildet wird, der Hierarchie der Fürstentümer, Erzengel und Engel vorstehe, mehr in die Sichtbarkeit tretend als die erste Hierarchie, verborgener aber als die nach ihr folgende Hierarchie. Endlich (muss man dafür halten), dass die offenbarende Ordnung der Fürstentümer, Erzengel und Engel durch ihre gegenseitige Einwirkung den Hierarchien unter den Menschen vorstehe, damit nach einer abgestuften Ordnung die Emporführung und Hinwendung zu Gott, Gemeinschaft und Vereinigung mit ihm und desgleichen die Ausstrahlung aus Gott, welche allen Hierarchien in Güte zugeteilt wird und gemeinschaftlich mit Wahrung der heiligsten Ordnungsschönheit zufließt, bestehen bleibe. Deshalb hat die Gottesoffenbarung unsere Hierarchie den Engeln zugewiesen, da sie Michael den Fürsten des Judenvolkes und andere (Engel) (die Fürsten) anderer Völker nennt. Denn es hat der Höchste die Grenzen der Völker nach der Zahl der Engel festgestellt.

§ 3

Wenn aber jemand sagen sollte: ,,Aber wie war dann das Volk der Hebräer allein zu den urgöttlichen Strahlen emporgeführt?", so ist zu erwidern, dass man nicht die zielgerechte Vorstandschaft der Engel für die Abirrung der andern Völker zu den falschen Göttern, sondern jene Völker selbst verantwortlich machen soll, weil sie durch die eigenen Trieb von dem geraden, zu Gott führenden Aufstieg abgewichen sind, nämlich durch ihre Selbstsucht, Vermessenheit und die dem entsprechende Verehrung dessen, was ihnen als Göttliches erschien. Ist es doch sogar vom Volk der Hebräer bezeugt, dass es dieses (Unglück) erlitten hat. Denn es sagt Gott: ,,Die Kenntnis Gottes hast du verworfen und bist deinem Herzen nachgewandelt". Das Leben, das wir haben, ist nämlich nicht dem Zwang unterworfen und wegen der Willensfreiheit derer, welche Gegenstand der Vorsehung sind, wird das göttliche Licht der von der Vorsehung ausgehenden Einstrahlungen nicht verdunkelt,, sondern entweder macht die heterogene Beschaffenheit der geistigen Augen die Teilnahme an der übervollen Lichtspendung der väterlichen Güte ganz unmöglich und lässt sie vergeblich abprallen, oder sie bewirkt verschiedene Grade der Mitteilung, kleine oder große, dunkle oder helle des einen und einfachen Strahls, der in seiner Quelle immer sich gleich bleibt und übereinfach ist Denn auch über die andern Völker -— aus welchen auch wir zu jenem unermesslichen und reichen Ocean des göttlichen Lichtes uns emporrichteten, der für alle zur willigen Mitteilung ausgebreitet ist — regierten nicht fremdländische Götter. Es gibt vielmehr nur ein [einziges] Urprinzip von allem und zu diesem führten die Engel, welche in jeglichem Volk die Hierarchie innehatten, alle empor, die ihnen folgen wollten. Was den Melchisedech betrifft so muss man in ihm einen gottliebenden Hierarchen nicht der falschen Götter, sondern des wahrhaft seienden, höchsten Gottes erkennen, denn die Gotteskundigen nennen ihn nicht bloß einfachhin Freund Gottes, sondern auch Priester, den verständigen (Lesern) anzudeuten, dass er nicht bloß für sich allein dem wahren Gott sich zugewendet hatte, sondern auch andere als ein Hierarch in der Emporführung zur wahren und einzigen Urgottheit leiteten.

§ 4.

Auch an diese Tatsache wollen wir deine hierarchische Einsicht erinnern, dass dem Pharao von dem Schutzengel Ägyptens und dem Herrscher von Babylon von dem zugehörigen Engel in den Gesichten die Fürsorge und Gewalt der über alles sich erstreckenden Vorsehung und Herrschermacht vermittelt wurde. Wir erinnern daran, dass die Diener des wahren Gottes jenen Völkern als Führer in der Deutung der von den Engeln in bildlichen Erscheinungen gewährten Offenbarung auftraten, welche (Offenbarung) den heiligen, den Engeln nahestehenden Männern, einem Daniel und einem Joseph, von Gott aus durch Engel enthüllt wurde, denn es gibt nur eine [einzige] Urquelle und Vorsehung von allem. In keinem Fall darf man der Ansicht sein, dass die Urgottheit nach der Auswahl des Loses die Juden leite, Engel dagegen auf eigene Faust, sei es in gleicher, sei es in entgegengesetzter Tendenz, oder irgend welche andere Götter an der Spitze der andern Völker stehen. Jenes Schriftwort darf man nicht in dem heiligen Sinn verstehen, als ob Gott mit andern Göttern oder mit Engeln die Regierung bei uns Menschen geteilt hätte, wobei Israel ihm als dem Herrscher und Führer des Volkes ,,durch das Los zugefallen wäre", sondern auf folgende Weise. Die eine allgemeine Vorsehung des Allerhöchsten hat alle Menschen zwegs ihrer Rettung den emporführenden Handreichungen der zugehörigen Engel überwiesen, aber so ziemlich ist nur Israel im Gegensatz zu allen zur Erleuchtung und Erkenntnis des wahren Herrn bekehrt worden. Daher sagt die Offenbarung, um anzudeuten, dass Gott sich Israel zum wahren Gottesdienst erlost habe, ,,Anteil des Herrn ist Israel geworden". Damit aber das Offenbarungswort zugleich zu verstehen gebe, dass auch Israel in gleicher Weise wie die übrigen Völker irgend einem der heiligen Engel zuerteilt worden sei, um durch ihn die eine höchste Ursache von allem zu erkennen, deshalb sagt es, dass Michael das jüdische Volk regiere und lehrt uns damit deutlich, dass es nur eine [einzige] Vorsehung von allem gebe, welche überwesentlich über allen unsichtbaren und sichtbaren Mächten thront, und dass alle Engel, welche die einzelnen Völker regieren, zu ihr als dem eigentlichen Ursprung die freiwillig Folgenden nach Kräften emporführen.

KAPITEL X.

Wiederholung und Zusammenfassung der Engelordnung .

§ 1.

Wir haben also das Ergebnis gewonnen, dass die vornehmste Ordnung der um Gott stehenden Geister von der Einstrahlung, die dem Urquell aller Weihevollendung entströmt, hierarchisch erfüllt und in unmittelbarer Erhebung zu demselben durch eine verborgenere und glanzvollere Lichtmitteilung der Urgottheit gereinigt, erleuchtet und vollendet wird. Durch eine verborgenere, insofern sie geistiger, mehr vereinfachend und mehr einigend ist, durch eine glanzvollere, weil sie zuerst gegeben, zuerst erscheinend und volleren Umfangs ist und in reichlicherem Maße in diese (erste) Ordnung, die ja durchleuchtbar ist, sich ergießt. Von ihr wird dann in entsprechendem Grad die zweite Ordnung, von der zweiten die dritte und von der dritten unsere Hierarchie nach dem gleichen Gesetz des wohlgeordneten Prinzips aller Ordnung in göttlicher Harmonie und Ebenmäßigkeit zu dem überanfänglichen Anfang und Endabschluss jeglicher Wohlordnung hierarchisch emporgeführt.

§ 2.

Alle Chöre der Engel sind aber Offenbarer und Künder derer, die vor ihnen sind, die vornehmsten sind Offenbarer Gottes, ihres Bewegers; in entsprechendem Maß sind dann die übrigen Engel Offenbarer der von Gott bewegten Geister. Denn auf solche Art hat die überwesentliche Harmonie des Alls für die heilige Musterordnung und die festbestimmte Emporführung eines jeden vernünftigen und geistigen Wesens vorgesorgt, da sie auch für jede einzelne Hierarchie heiligmäßige Stufen festsetzte und wir jede Hierarchie in die ersten, mittleren und letzten Mächte geteilt sehen. Aber auch die einzelne Ordnung selbst hinwieder hat die Vorsehung, um es richtig zu sagen, nach den gleichen, göttlich harmonischen Maßverhältnissen unterschieden. Daher sagen die inspirierten Schriftsteller, dass sogar die göttlichsten Seraphim einer dem andern zugerufen hätten, womit sie, wie ich glaube, deutlich zu erkennen geben, dass die ersten Engel den zweiten von den Erkenntnissen der Gotteswissenschaft mitteilen.

 

§ 3.

Auch das dürfte ich wohl schicklich hinzufügen, dass selbst jeder einzelne himmlische und menschliche Geist für sich erste, mittlere und letzte Ordnungen und Kräfte eigentümlich besitzt, welche analog den geschilderten Erhebungen, wie sie den Einstrahlungen der einzelnen Hierarchien entsprechen, offenbar werden. Gemäß diesen Ordnungen und Kräften erlangt jeder einzelne Geist in dem ihm zustehenden und erreichbaren Maß Anteil an der überheiligsten Reinheit, dem übervollen Licht, der absoluten Vollendung. Denn nichts ist in sich selbst vollendet oder überhaupt der Vollendung unbedürftig, außer das wahrhaft in sich selbst Vollendete und absolut Vollkommene.

KAPITEL XI.

Warum alle himmlischen Wesen mit dem gemeinsamen Namen ,,himmlische Mächte‘ bezeichnet werden.

§ 1.

Nach diesen unterscheidenden Bestimmungen verdient auch die Frage Erwägung, aus welchem Grund wir alle Engelnaturen mit dem gemeinsamen Namen himmlische ,,Mächte" zu bezeichnen pflegen. Denn man kann nicht, wie bei den Engeln, sagen, dass die Ordnung der heiligen Mächte die letzte von allen ist. Und es haben doch nur die Ordnungen der höheren Wesen an der heiligen Erleuchtung der letzten Anteil, keineswegs aber (umgekehrt) die letzten an der Erleuchtung der ersten. Und deshalb werden zwar alle göttlichen Geister himmlische ,,Mächte" genannt, in keiner Weise aber ,,Seraphim" und ,,Throne" und ,,Herrschaften", denn die letzten Ordnungen sind der Eigentümlichkeiten der ersten nicht nach dem vollen Umfang teilhaftig. Die Engel aber nun und die über ihnen stehenden Erzengel, Fürstentümer und Gewalten, welche von der göttlichen Offenbarung im Rang unter die Mächte gestellt sind, werden oft von uns gemeinsam und zusammen mit den andern heiligen Wesen himmlische ,,Mächte genannt.

§ 2.

Wir behaupten, dass wir dadurch keinerlei Verwirrung in den Eigenschaften jeglicher Ordnung stiften, dass wir bei allen gemeinschaftlich die Benennung ,,himmlische Mächte verwenden. Weil vielmehr bei allen göttlichen Geistern nach dem ihnen zukommenden überweltlichen Charakter Wesenheit, Macht und Wirksamkeit unterschieden sind, so muss man dafür halten, dass wir, so oft wir alle oder einige von ihnen ohne Unterschied ,,himmlische Wesen" oder ,,himmlische Mächte" nennen, diejenigen, von welchen die Rede ist, in umschreibender Form nach der den einzelnen eigenen Wesenheit oder Macht benennen. Denn das soll man durchaus nicht meinen, dass wir die höhere Eigenart der von uns bereits genugsam geschiedenen heiligen Mächte auch den untergeordneten Chören im vollen Umfang zusprechen wollten, um dadurch die unvermischbare Stufenreihe der Engelordnungen umzustoßen. Denn gemäß dem von uns schon oft und richtig gelieferten Nachweis haben die höherstehenden Ordnungen auch die Eigenschaften der tieferstehenden auf eine überschwängliche Weise, die letzten Ordnungen dagegen besitzen nicht die überlegene Gesamtfülle der vornehmeren, da die zuerst aufleuchtenden Einstrahlungen durch die ersten Chöre ihnen nur teilweise in entsprechendem Verhältnis vermittelt werden.

KAPITEL XII.

Warum die Hierarchien bei den Menschen ,,Engel‘ heißen.

§ 1

Aber auch folgende Frage wird von den Männern, welche gerne in den geistlichen Aussprüchen forschen, aufgeworfen. Wenn das Letzte nicht an der Gesamtfülle des Höheren teilhat, aus welchem Grund ist dann der Hierarch unserer Kirche von der Schrift ,,Engel des allmächtigen Gottes" genannt?

§ 2

Die Benennung widerspricht meines Erachtens keineswegs den früher aufgestellten Sätzen. Wir sagen nämlich so. Die letzten (Glieder der Hierarchie) ermangeln allerdings der totalen und erhabenen Macht der vornehmeren Ordnungen, denn sie besitzen dieselbe nur in einem entsprechenden Teilmaß, sowie es die eine harmonische und alles verbindende Gemeinschaft bedingt. So z. B. hat der Chor der heiligen Cherubim an einer höhern Weisheit und Erkenntnis teil, die Ordnungen der ihnen nachstehenden Wesen dagegen nehmen zwar auch an der Weisheit und Erkenntnis Anteil, aber nur im Vergleich zu jenen, in einem partiellen und abgeminderten Grad. Überhaupt ist Weisheit und Erkenntnis mitzubesitzen ein gemeinsames Gut aller intelligenten Wesen, die Gott ähnlich sind, aber unmittelbar und an erster Stelle, oder in zweitem und tieferstehendem Grad daran teilzunehmen, das ist nicht mehr gemeinsam, sondern verschieden, sowie es für einen jeden seitens des Ihm eigenen entsprechenden Fassungsvermögens bestimmt ist, Dieses Gesetz dürfte man nun auch hinsichtlich aller göttlichen Geister ohne zu irren feststellen. Denn gleichwie die ersten die eigentümlichen heiligen Kräfte der letzten überschwänglich besitzen, so haben die letzten die Eigenschaften der ersten, allerdings nicht in ähnlichem, wohl aber in untergeordnetem Grad. So ist es also, wie ich denke, nicht unpassend, wenn die Offenbarung auch unsern Hierarchen ,,Engel" heißt, da er ja entsprechend der ihm eigenen Macht an dem den Engeln zukommenden Beruf eines Deuters (der göttlichen Dinge). teil hat und, soweit es Menschen möglich ist, zu dem ihnen ähnlichen Rang eines Verkündigers erhoben wird.

§ 3.

Du wirst aber finden, dass die Offenbarung sowohl die himmlischen, uns überragenden Wesen wie die heiligen Männer unter uns, welche die größte Gottesliebe besitzen, auch ,,Götter" nennt, obschon doch die urgöttliche Heimlichkeit überwesentlich über alles entrückt und erhaben ist und nichts von den geschaffenen. Dingen im eigentlichen und vollen Sinn als ihr gleichend bezeichnet werden kann. Gleichwohl ist alles, was in der geistigen und vernünftigen Welt nach Kräften zur Einigung mit ihr sich vollständig hingewendet hat und zu ihren göttlichen Einstrahlungen nach Möglichkeit sich unaufhörlich erhebt, auf Grund der nach ganzer Kraft erstrebten Nachahmung Gottes, wenn man so sagen darf, auch des göttlichen Namens gewürdigt.

KAPITEL XIII.

Warum es heißt, der Prophet Jesaias sei von den Seraphim entsühnt worden.

§ 1

Wohlan, lasst uns nach bestem Wissen auch untersuchen, aus welchem Grund der Seraph, wie (in der Schrift) gesagt ist, zu einem der Propheten abgesandt wird. Man möchte ja darüber im Unklaren sein, warum nicht irgend einer von den untergeordneten Engeln, sondern gerade einer, welcher zu den vornehmsten Wesen zählt, den Propheten (hypophätäs) entsühnt.

§ 2.

Einige sagen nun, dass gemäß dem schon früher erwiesenen Gesetze der unter allen Geistern herrschenden Gemeinschaft die Schrift (hier) nicht einen der ersten, um Gott stehenden Geister bezeichnet, der zur Entsühnung des Propheten gekommen wäre. Es sei vielmehr einer der über uns gesetzten Engel als Vollzieher der Entsühnung des Propheten mit dem Namen Seraph belegt worden, weil er die erwähnten Fehler durch feurige Glut hinwegnahm und den Entsühnten zum göttlichen Dienste entflammte. Das Schriftwort habe, sagen sie, nur allgemein (im weitern Sinn) von einem der Seraphim gesprochen, nicht von denen, die um Gott stehen, sondern von den entsühnenden Mächten, die uns vorstehen.

§ 3.

Ein anderer aber bot mir für den in Rede stehenden Einwand eine nicht eben unpassende Lösung dar. Er sagte nämlich, dass jener große Engel — wer es nun immer sein mochte —, der zwecks der Einführung des Propheten in die göttlichen Geheimnisse die Vision hervorbrachte, den ihm zustehenden heiligen Dienst der Entsühnung auf Gott und nächst Gott auf die erstwirkende Hierarchie zurückgeführt habe. Und ist nun dieses Wort nicht der Wahrheit entsprechend? Denn es sagte mein Gewährsmann, dass die urgöttliche Kraft über alles hingeht und sich erstreckt und durch alles ungehemmt hindurchdringt und doch hinwieder allem unsichtbar ist, nicht bloß, weil sie über alles überwesentlich erhaben ist, sondern auch, weil sie verborgener Weise ihre fürsorglichen Wirkungen in alles entsendet. Aber nun fürwahr zeigt sie sich allen geistigen Wesen auf entsprechende Weise und indem sie die Ergießung ihres eigenen Lichtes den vornehmsten Wesen spendet, verteilt sie dasselbe durch diese als die ersten hindurch in schöner Ordnung auf die tieferstehenden, entsprechend der harmonisch abgestuften jeglicher Ordnung eigenen Kraft, Gott zu schauen.

Um deutlicher, zu sprechen und natürliche naheliegende Beispiele zu gebrauchen (mögen sie auch Gott gegenüber, der über alles erhaben ist, unzulänglich sein, so sind sie doch für uns anschaulicher), der mitgeteilte Sonnenstrahl geht durch die erste Materie, welche durchleuchtbarer als alle andern ist, ohne Widerstand ein und lässt durch sie hindurch seinen eigenen Glanzlichter aufblitzen.

Wenn er aber auf die dichteren Stoffe fällt, so ist sein mitgeteiltes Licht mehr verdunkelt, weil die erleuchteten Gegenstände kein günstiges Verhältnis für Vermittlung der Lichtspendung besitzen und infolge davon wird der Strahl allmählich nahezu bis zur vollständigen Unmöglichkeit des Weiterdringens aufgehalten. Die Wärme des Feuers desgleichen teilt sich mehr den dafür empfänglicheren Stoffen mit, welche sich zur Verähnlichung mit ihm gut eignen und erheben lassen. An den widerstrebenden, entgegengesetzten Stoffen dagegen erscheint entweder gar keine oder nur eine dunkle Spur von der in Feuer verwandelnden Wirkung. Und was noch bedeutsamer ist, wenn es mit Stoffen in Berührung kommt, welche mit ihm verwandt sind und eine entsprechende Beziehung zu ihm haben, da macht es nach Umständen zunächst die Dinge, welche sich leicht verwandeln lassen, feuerförmig und erhitzt dann durch dieselben das Wasser oder irgend einen andern nicht leicht zu erhitzenden Stoff in entsprechender Weise. Nach dem gleichen Gesetz nun, das in der physikalischen Ordnung herrscht, lässt auch das ursprüngliche Ordnungsprinzip jeder sichtbaren und unsichtbaren Ordnung übernatürlicher Weise den Glanz der von ihm ausgehenden Lichtspendung in allseligen Ergießungen den höchsten Wesen im ersten Erscheinen aufleuchten und durch diese nehmen dann die nach ihnen folgenden Wesen am göttlichen Strahl teil. Denn jene erkennen Gott zuerst und streben im überragenden Maß nach der göttlichen Tugend und deshalb sind sie auch gewürdigt, in erster Linie die Gott nachahmende Kraft soviel als möglich auszuwirken und zu betätigen. Die nach ihnen folgenden Wesen aber erheben sie gütig, soweit es möglich ist, zu wetteiferndem Streben, indem sie ihnen von dem ihnen zuströmenden Glanz neidlos mitteilen. Und diese hinwieder handeln so gegenüber den tieferstehenden. Und auch jedes einzelne erste Wesen teilt dem nach ihm folgenden von dem geschenkten und durch die Vorsehung allen im rechten Verhältnis zufließenden göttlichen Licht mit. So ist also Gott für alle, die erleuchtet werden, von Natur aus wesentlich und eigentlich Prinzip der Erleuchtung, da er wesenhaftes Licht und Urheber des Seins und Sehens selber ist. Dagegen ist das einzelne graduell übergeordnete Wesen für das nach ihm folgende nach positiver Anordnung und in Nachahmung Gottes Prinzip der Erleuchtung, sofern die göttlichen Lichtströme durch jenes auf dieses übergeleitet werden. Die höchste Ordnung der himmlischen Geister nun erkennen alle übrigen Engelnaturen mit Recht nächst Gott als die Quelle aller heiligen Gotteserkenntnis und Gottesnachahmung, da durch dieselbe auf alle Engel und auch auf uns die urgöttliche Erleuchtung verbreitet wird. Deshalb führen sie auch jede heilige und Gott nachahmende Tätigkeit auf Gott als ersten Urheber, auf die ersten, gottähnlichen Geister aber als auf die ersten Organe und Lehrer des Göttlichen zurück. Deshalb hat die erste Ordnung der heiligen Engel mehr als alle die Eigentümlichkeit des Erglühens und die (reich) ergossene Mitteilung der urgöttlichen Weisheit und die Erkenntniskraft für das höchste Wissen der göttlichen Einstrahlungen und besitzt das Charakteristische der Throne, das die offene Empfänglichkeit zur Aufnahme Gottes andeutet. Die Ordnungen der tieferstehenden Wesen haben zwar an der Kraft des Erglühens, an der Weisheit, der Erkenntnis, der Aufnahme Gottes Anteil, aber in einem verminderten Grad, indem sie auf die ersten Wesen schauen und durch sie, die in erster Wirkung der Nachahmung Gottes gewürdigt sind, zu der erreichbaren Höhe der Gottähnlichkeit erhoben werden. Daher führen sie die erwähnten heiligen Eigenschaften, an welchen vermittels der ersten Wesen die nach ihnen folgenden Anteil gewinnen, nächst Gott auf eben dieselben (ersten) als Hierarchen zurück.

§ 4.

Es sagte nämlich der Mann, der die Erklärung gab, jenes Gesicht sei dem Propheten durch einen der heiligen und glückseligen Engel gezeigt worden, welche über uns als Vorsteher gesetzt sind, und durch dessen er-leuchtende Anleitung sei er zu jenem geistigen Schauen erhoben werden, in welchem er die höchsten Wesen (um in Symbolen zu sprechen) unter Gott und mit Gott und um Gott gestellt sah und die überursprüngliche, auch über sie alle in überunaussprechlicher Weise entrückte Spitze inmitten der höheren Mächte erhöht erblickte. Durch die Vision erkannte der Prophet, dass die Gottheit in aller überwesentlichen Vorzüglichkeit unvergleichlich weit über jede sichtbare und unsichtbare Macht erhaben und, wahrhaftig einfach allem entrückt, auch nicht den ersten Wesen der Schöpfung vergleichbar ist. Er erkannte ferner, dass die Gottheit das Prinzip und die wesengebende Ursache und das unveränderliche Fundament des unauflöslichen Bestandes der Dinge sei, von welchem auch selbst die übergeordneten Mächte das Sein und das glückliche Sein haben. Weiterhin wurde der Prophet über die gott-gleichen Kräfte der heiligsten Seraphim selbst geheimnisvoll aufgeklärt, da ihm der heilige Name derselben ihre Feuernatur anzeigte. Wir werden darüber ein wenig später reden, um nach unserem Vermögen die .Aufschwünge der feuererfüllten Kraft zur Gottähnlichkeit zu schildern.

Wenn dann der heilige Prophet die unbehinderte und höchste Erhebung der heiligen, sechsflügelig gebildeten Gestalten zum Göttlichen in ersten, mittlern und letzten Erkenntnissen, ferner die zahllose Menge der Füße und Augen sah, und wie mit den Flügeln das Schauen unter die Füße und über das Antlitz verhindert wurde und nur in den mittlern Flügeln eine beständige Bewegung war, so war er zur geistigen Erkenntnis der geschauten Dinge emporgehoben. Denn es wurde ihm die weitreichende und vielschauende Sehkraft der höchsten Geister, ihre heilige Scheu, welche sie überweltlich gegen die selbstmächtige, kecke und unerreichbare Erforschung der zu hohen und zu tiefen Geheimnisse hegen, und die unablässige, höchststrebende Beweglichkeit, welche sich allzeit in harmonischer Ordnung der gottnachahmenden Tätigkeiten zeigt, geoffenbart. Auch in jenen urgöttlichen und vielgepriesenen Lobgesang wurde er eingeweiht, da. der Engel, welcher das Visionsbild formte, nach seinen Kräften dem Propheten von der eigenen heiligen Erkenntnis mitteilte. Er belehrte ihn desgleichen darüber, dass für alle, wie rein sie auch immer sein mögen, die geheimnisvolle, möglichste Teilnahme an dem urgöttlichen Strahlenglanz (weitere) Reinigung ist Dieser Glanz nun, der von der Urgottheit selber aus erhabenen Ursachen in alle heiligen Geister in überwesentlicher Heimlichkeit mystisch verbreitet wird, erscheint den Mächten, welche um Gott stehen, weil sie die höchsten sind, in einem gewissen helleren Licht und zeigt und teilt sich ihnen in höherem Grad mit. Bei den Geistern der tieferen Ordnung oder bei den letzten vernunftbegabten Wesen unter uns beschränkt sie in dem Verhältnis des Abstandes, den jedes in der Gottähnlichkeit einnimmt, das klare Licht, welches sie auf das einige und unerforschliche Wesen ihrer eigenen Heimlichkeit fallen lässt. Sie strahlt aber in die einzelnen Glieder der zweiten Ordnung vermittels der ersten hinein und wird, um es kurz zu sagen, zuerst durch die obersten Mächte aus der Verborgenheit ans Licht gebracht.

In diesem Gesetz also wurde der Prophet von dem Engel, der ihn erleuchtete, unterrichtet, dass nämlich die Reinigung und alle urgöttlichen Wirkungen, durch die obersten Wesen erstrahlend, auf alle übrigen verteilt werden, sowie es dem jeweiligen Grad der Anteilnahme am göttlichen Wirken entspricht. Deshalb hat er auch die eigentümliche Kraft durch Feuer zu reinigen geziemend nächst Gott auf die Seraphim zurückgeführt. Es ist daher kein Widerspruch, wenn es heißt, dass der Seraph den Propheten reinige. Wie nämlich Gott dadurch, dass er jeglicher Reinigung Ursache ist, alle reinigt, oder deutlicher (ich will ein naheliegendes Beispiel gebrauchen) gleichwie von unserm Hierarchen, wenn er durch seine Diakone oder Priester reinigt oder erleuchtet, gesagt wird, dass er selbst reinige und erleuchte, insofern die von ihm konsekrierten Stände ihre eigenen heiligen Tätigkeiten auf ihn zurückführen, so führt auch der Engel, welcher die Reinigung des Propheten mystisch vollzieht, seine eigene Wissenschaft und Kraft des Entsühnens auf Gott als den Urheber, auf den Seraph aber als erstwirkenden Hierarchen zurück. Man möchte sagen, dass er mit der Ehrfurcht eines Engels den von ihm gereinigten Propheten also belehre: "Das erhabenste Prinzip der von mir an dir vollzogenen Reinigung, ihr Wesen, ihr Vollzieher, ihr Urheber ist derjenige, welcher auch die vornehmsten Naturen ins Dasein gerufen hat und sie rings um sich in fester Stellung erhält und sie vor jeder Veränderlichkeit und jedem Abfall bewahrt und sie zur unmittelbaren Teilnahme an seiner eigenen fürsorgenden Tätigkeit anregt". Denn diesen Sinn habe die Sendung des Seraph, sagte mir der Mann, der mich hierüber belehrte: ,,Als Hierarch und als Führer nächst Gott vollzieht die Ordnung der vornehmsten Wesen, von welcher ich auf gottähnliche Weise das Entsühnen gelehrt worden bin, durch mich an dir die Entsühnung. Sie ist es, durch welche die (höchste) Ursache und Bewirkerin jeglicher Reinigung ihre eigenen fürsorglichen Tätigkeiten aus der Verborgenheit auch auf uns erstreckt hat." Diese Geheimnisse lehrte mich jener, ich aber teile sie dir mit. Sache deiner verständigen und kritischen Einsicht dürfte es nun sein, entweder mit Rücksicht auf den einen der beiden besprochenen Gründe dich von der Schwierigkeit zu befreien und ihn vor dem andern zu bewerten, weil er die Wahrscheinlichkeit und das Vernunftmäßige und vielleicht auch die Richtigkeit für sich hat; oder auf eigene Faust etwas der eigentlichen Wahrheit näher Verwandtes ausfindig zu machen, oder von einem andern zu erlernen (indem Gott natürlich das Wort verleiht und die Engel es vermitteln) und uns, die wir Liebe zu den Engeln tragen, eine (wenn es anders möglich ist) klarere und uns noch liebere Erkenntnis mitzuteilen.

KAPITEL XIV.

Bedeutung der überlieferten Zahl der Engel.

Auch dieses ist, wie ich denke, der geistigen Betrachtung wert, dass die Überlieferung der Schrift über die Zahl der Engel von tausend Tausenden und von Myriaden mal Myriaden spricht, indem sie die höchsten unserer Zahlen wiederholt und multipliziert und dadurch deutlich zu verstehen gibt, dass die Ordnungen der himmlischen Wesen für uns nicht zählbar sind. Denn die seligen Heere der überweltlichen Geister sind viele; sie übersteigen den mäßigen und beschränkten Umfang unserer materiellen Zahlen und werden bloß von der ihnen eigenen überweltlichen und himmlischen Erkenntnis und Wissenschaft geistig bestimmt, welche ihnen in allseliger Art von der urgöttlichen und unermesslich erkenntnisreichen Weisheitswirkerin geschenkt ist, die überwesentlich aller Dinge allzumal Urgrund und wesenschaffende Ursache und zusammenhaltende Kraft und umfassende Abschließung ist.

KAPITEL XV.

Was bedeuten die bildlichen Gestalten der Engelmächte, die Feuergestalt, die Menschengestalt u.s.w. ...

§ 1.

Wohlan, nun erübrigt noch, dass wir, wenn es gut scheint, das geistige Auge von der Anstrengung, die bei den erhabenen Betrachtungen über die Engel am Platz war, ruhen lassen und in die breite Fülle von vielteiligen Einzelheiten herabsteigen, welche in der vielgestaltigen Buntheit der bildlichen Engeldarstellungen uns entgegentritt. Dann aber wollen wir hinwieder von diesen aus als Bildern zur Einfachheit der himmlischen Geister auf analytischem Weg uns empor wenden. Es sei von dir aber im vorhinein klar erkannt, dass die Aufschlüsse, welche uns die heiligen bildlichen Darstellungen gewähren, bisweilen die gleichen Ordnungen der himmlischen Wesen hierarchisch tätig und dann wieder hierarchisch leidend offenbaren und zwar die letzten Ordnungen in hierarchischer Tätigkeit und die ersten in hierarchischer Passivität und, wie bereits gesagt worden, eben dieselben Ordnungen im Besitz von ersten, mittlern und letzten Mächten, ohne dass ein Widerspruch begangen wird, wenn eben nur der folgende Modus der Erklärung eingehalten wird. Wenn wir nämlich behaupten wollten, dass irgendwelche Ordnungen von den höheren hierarchisch geleitet würden und dann hinwieder diesen zugleich auch hierarchisch vorständen und dass die höheren Ordnungen, welchen die Leitung der tiefern zukommt, von eben diesen tieferen, dem Gegenstand der hierarchischen Leitung, selbst wieder geleitet würden, dann wäre tatsächlich die Sache absurd und voller Verwirrung. Wenn wir aber sagen, dass ein und denselben Ordnungen allerdings eine aktive und passive hierarchische Führung eigen ist, nicht aber seitens der gleichen und über die gleichen, sondern dass vielmehr eine jede einzelne Ordnung von den höheren hierarchisch geleitet wird, die tieferen aber leitet, so dürfte man wohl ohne Widerspruch behaupten, dass man eben dieselben Gestalten, welche die heilige Schrift in heiligen Bildern vorführt, gelegentlich sowohl den ersten, wie den mittleren und letzten Mächten zutreffend und wahrheitsgemäß zuteilen kann. Und allen himmlischen Wesen wird mithin unfehlbar zukommen, dass sie sich zum Höheren hinwenden und emporschwingen, dass sie beharrlich unter Wahrung der ihnen eigentümlichen Kräfte sich um sich selbst bewegen und dass sie durch mitteilsames Heraustreten zu der tiefern Ordnung auch Anteil an der fürsorgenden Kraft gewinnen.

Allerdings wird das den einen im überragenden und vollen Maß, (wie bereits oft gesagt worden,) den andern aber nur teilweise und in abgeschwächtem Grad zuteil.

§ 2.

Wir müssen aber die Rede beginnen und im Eingang unserer Erläuterung der Typen untersuchen, warum, wie sich herausstellt, die Offenbarung Gottes vor allen andern gerade das vom Feuer entlehnte heilige Bild bevorzugt. Du wirst wenigstens finden, dass sie nicht bloß feurige Räder schildert, sondern auch feuerglühende Lebewesen und Männer, die gleichsam von Blitzen zucken, dass sie sogar um die himmlischen Wesen her Haufen feuriger Kohlen und lodernde Feuerströme mit unermesslichem Rauschen anbringt. Auch von den Thronen sagt sie, dass sie feurig seien und selbst bei den höchsten Seraphim deutet sie durch den Namen an, dass sie feurig erglühen und legt ihnen die Eigenart und Wirkung des Feuers bei. Überhaupt liebt sie allerorts die vom Feuer hergenommene bildliche Darstellung in vorzüglichem Grad. Meine Ansicht ist nun, dass das Charakteristische des Feuers die größte Gottähnlichkeit der himmlischen Geister andeute. Denn die heiligen inspirierten Schriftsteller schildern die über-wesentliche und gestaltlose Wesenheit vielfach im Bild des Feuers, weil dieses, (wenn man so sagen darf, von der urgöttlichen Eigentümlichkeit viele Abbilder im Sichtbaren darbietet. Das sinnlich wahrnehmbare Feuer ist nämlich sozusagen in allen Dingen und durchdringt unvermischt alle und ist allen entrückt. Während es ganz Licht und zugleich verborgen ist, ist es an und für sich unerkennbar, wenn ihm nicht ein Stoff vorgelegt wird, an dem es seine eigentümliche Wirkung offenbaren kann. Es ist unbezwingbar und unerkennbar, Herr über alles und zieht alles, woran es kommt, in seine eigene Wirkung hinein. Es hat die Kraft zu verwandeln, sich allem mitzuteilen, was irgendwie in seine Nähe kommt, mit seiner feurig belebenden Wärme zu verjüngen, mit seinen unverhüllten Strahlungen zu erleuchten, unbesiegt, unvermischt, zertrennend, unveränderlich, aufwärts steigend, scharf durchdringend, hochgehend, keinerlei Niedersinken zum Boden duldend, immer beweglich, selbstbewegt, anderes bewegend, umfassend, selbst nicht umfasst, keines andern bedürftig, unvermerkt sich selbst vergrößernd, an den aufnahmefähigen Stoffen seine gewaltige Größe zeigend, wirksam, mächtig, allem unsichtbar gegenwärtig. Wenn man sich nicht darum bemüht, scheint es nicht da zu sein, über dem Reiben aber flammt es, gleichwie wenn es sich suchen ließe, seiner Natur und Eigenart entsprechend plötzlich auf und entflattert manchmal ohne Bleiben, unvermindert bei all seinen allbeglückenden Mitteilungen. Noch viele andere Eigentümlichkeiten des Feuers möchte einer ausfindig machen, insofern sie in sinnlichen Bildern der urgöttlichen Wirksamkeit entsprechen. Da nun die Gotteskundigen das wissen, so kleiden sie die himmlischen Wesen in vom Feuer entlehnte Formen und offenbaren so deren Gottähnlichkeit und Bestreben, nach Möglichkeit Gott nachzuahmen.

§ 3

Aber auch in Menschengestalt stellen sie (die Verfasser der heiligen Schriften) die Engel dar. Die Gründe dafür sind das Erkenntnisvermögen und die aufwärts gerichtete Sehkraft des Menschen, die gerade und aufrechte Haltung seiner Gestalt, sein natürliches Herrschervermögen, sein Führertalent, der im Vergleich mit den andern Kräften der vernunftlosen Wesen geringe Grad seines sinnlichen Wahrnehmungsvermögens einerseits und andrerseits die Überlegenheit über alle infolge der überragenden Macht seines Geistes und infolge der auf vernunftmäßiges Wissen begründeten Gewalt, endlich die der Natur der Seele entsprechende Ununterjochbarkeit und Unbezwinglichkeit.

Man kann aber auch, wie ich denke, einzeln in der Vielgliedrigkeit unseres Leibes zutreffende Bilder für die himmlischen Mächte entdecken. Wir können sagen, dass die Sehkraft den klarsten Aufblick zu den göttlichen Lichtstrahlen und andrerseits auch die einfache, schmiegsame, nicht widerstrebende, vielmehr schnellbewegliche, reine, empfängliche Aufnahme der urgöttlichen Erleuchtungen ohne leidenschaftlichen Affekt bedeute.
Die unterscheidende Kraft des Geruchsinnes bedeutet, so lässt sich weiterhin sagen, das Vermögen, den über alle Vorstellungen süßen, ausströmenden (geistigen) Wohlgeruch nach Möglichkeit wahrzunehmen und alles, was nicht von dieser Beschaffenheit ist, einsichtig zu unterscheiden und gänzlich zu fliehen.
Die Kraft des Gehöres bedeutet das Vermögen, die urgöttliche Inspiration zu empfangen und mit Verständnis aufzunehmen.
Der Geschmacksinn bedeutet die Ersättigung mit der geistlichen Speise und die Aufnahme der göttlichen Nahrungszuflüsse.
Der Tastsinn bedeutet das geistige Unterscheidungsvermögen für das Zuträgliche oder Schädliche.
Die Wimpern und Augenbrauen bedeuten das Vermögen, die aus dem Schauen Gottes gewonnenen Erkenntnisse zu bewahren.
Das mannbare und jugendstarke Alter bedeutet das Wesen der immerdar blühenden, belebenden Kraft.
Die Zähne bedeuten das Vermögen, die aufgenommene vollkommene Nahrung zu zerteilen. Denn jedes geistige Wesen zerteilt die ihm von einem göttlichem Wesen gespendete einfache Erkenntnis und zerlegt sie in fürsorglicher Kraft in eine Vielheit, sowie es der Emporführung des bedürftigeren Wesens entspricht.
Die Schultern, Ellbogen und auch die Hände bedeuten die Kraft zu schaffen, zu wirken und zu handeln.
Das Herz ist ein Sinnbild des gottgleichen Lebens, welches die eigene Lebenskraft gütig auf die Gegenstände seiner Fürsorge verteilt.
Die Brust ferner bedeutet die Unbezwingbarkeit und sozusagen die Schutzwehr für die lebenspendende Ausströmung des dahinter liegenden Herzens.

Der Rücken bedeutet die Kraft, welche die lebenserzeugenden Kräfte alle zusammenhält.
Die Füße bedeuten das Bewegungsvermögen das Schnelle und das Laufen der nach dem Göttlichen eilenden, steten Beweglichkeit.
Aus diesem Grund hat auch die göttliche Offenbarung die Füße der heiligen Geister beflügelt dargestellt. Denn der Flügel bedeutet die Schnelligkeit des geistigen Emporführens, das Himmlische, die Wegbahnung nach oben, das Entrücktsein von allem, was an der Erde haftet, infolge der aufwärts-tragenden Kraft. Die Leichtigkeit der Flügel aber bedeutet, dass das Wesen (des Engels) in keiner Hinsicht erdhaft ist, sondern ganz unvermischt und der Schwere nicht unterworfen sich zur Höhe erhebt.
Das Nackte und die Barfüßigkeit bedeuten das Freigelassen sein, das leichte Losgelöstsein, das Schrankenfreie, das Reinsein von äußeren Anhängseln und die möglichste Verähnlichung mit der göttlichen Einfachheit.

§ 4.

Da aber die einfache und zugleich vielförmige Weisheit die unbekleideten Wesen auch umk1eidet und gewisse Geräte ihnen zu tragen gibt, so lasst uns auch die heiligen Gewänder und Werkzeuge der himmlischen Geister nach unsern Kräften erklären.

Das lichtfarbene und das feuerfarbene Kleid bezeichnet meines Erachtens im Bilde des Feuers die Gottähnlichkeit und die durch den Ruheort im Himmel hinleuchtende Kraft, da ja im Himmel das Licht und überhaupt alles ist, was auf geistige Weise erleuchtet oder intellektuell erleuchtet wird. Das priesterliche Kleid aber bezeichnet die zum Göttlichen und zu mystischen Betrachtungen emporführende Kraft und die Heiligung des gesamten Lebens.

Die Gürtel bedeuten die Wachsamkeit über ihre zeugenden Kräfte und dass ihre gesammelte Verfassung in sich selbst einheitlich gekehrt ist und in schönem Rhythmus mit unentwegtem Gleichmaß sich um sich selbst kreisförmig bewegt.

§ 5.

Die Stäbe bedeuten das Königliche, den Charakter der Führerschaft und der alles nach dem Richtmaß vollendenden Kraft.

Die Speere und die Beile bedeuten die das Ungleiche zertrennende Kraft und die Schärfe, die Energie und das Wirksame der trennenden Kräfte.

Die Mess- und Baugeräte bezeichnen die Kraft, Fundamente zu legen und aufzubauen und fertig zu stellen und alle Tätigkeiten, welche sonst zu der emporführenden und bekehrenden Fürsorge für die tiefer-stehenden Wesen gehören.

Bisweilen sind auch die bildlich dargestellten Werkzeuge der heiligen Engel Symbole der Gerichte Gottes über uns. Die einen offenbaren die bessernde Erziehung, die andern die strafende Gerechtigkeit, wieder andere die Befreiung von Bedrängnissen, oder das Endziel der Erziehung, oder die Wiedererlangung des früheren Glückes oder die Hinzufügung anderer Gaben, größer oder kleiner, sinnlich wahrnehmbarer oder geistiger. Überhaupt dürfte der scharfsinnige Verstand wohl nicht in Verlegenheit sein, das Sichtbare mit dem Unsichtbaren in entsprechenden Einklang zu bringen.

§ 6.

Wenn die Engel ferner ,,Winde" genannt werden, so bezeichnet das ihren schnellen und nahezu zeitlosen Flug über alles hin, ihre von oben nach unten und desgleichen von unten nach oben führende Bewegung, welche das Tiefere zur oberen Höhe emporführt und das Oberste zum mitteilenden und fürsorgenden Hervortreten zum Tieferen bewegt. Man könnte auch sagen, dass der Name Wind, sofern er für den wehenden Lufthauch gebraucht ist, auch die Gottähnlichkeit der himmlischen Geister bezeichne. Denn auch dieser enthält ein Bild und einen Typus der urgöttlichen Energie (wie wir in der ,,Symbolischen Theologie" bei der geistlichen Deutung der vier Elemente ausführlich dargetan haben) in Hinsicht auf das Bewegliche und Lebenszeugende seiner Natur und sein schnelles, unbezwingliches Kommen und Gehen und die uns unbekannte und unsichtbare Heimlichkeit des Anfanges und Endes seiner Bewegung. ,,Denn du weißt nicht", sagt er, "wann er kommt und wohin er geht".

Aber auch Wolkengestalt legt die Offenbarung bildlich den Engeln bei, indem sie dadurch andeutet, dass die heiligen Geister mit dem verborgenen Licht überweltlich erfüllt sind, dass sie das ursprünglich hervortretende, erstmalig erscheinende Licht ohne Stolz in sich aufnehmen und es neidlos auf die tieferstehenden Wesen in einer zweiten Lichtergießung und nach Maßgabe der Empfänglichkeit mitteilen. Es wird endlich (durch die Wolken) auch angedeutet, dass die Engel eine zeugende, lebensgebende, vermehrende und vollendende Kraft besitzen, sofern eine Regenerzeugung im geistigen Sinn ihnen eigen ist, welche den aufnehmenden Schoß mit befruchtendem Regen zu lebendigen Geburten erweckt.

§ 7.

Wenn die Schrift auch die Gestalt des Erzes, des Elektron und buntfarbiger Steine bei der Schilderung der himmlischen Wesen verwendet, so bezeichnet das Elektron, weil es zugleich goldfarben und silberfarben ist, einerseits mit Rücksicht auf das Gold den unvergänglichen, unerschöpflichen, unverminderten und ungetrübten Hellglanz, andrerseits, soweit es das Silber betrifft, den klaren, lichtvollen und himmlischen Schimmer.
Dem Erz ist entweder der Charakter des Feurigen oder des Goldfarbenen gemäß den früher angegebenen Gründen beizulegen.
Die Gestalten der buntfarbigen Steine bedeuten, wie zu glauben ist, entweder durch ihr Weiß das Lichtähnliche oder durch ihr Rot das Feurige, oder durch ihr Gelb das Goldähnliche oder durch ihr Grün das Jugendliche und Blühende. Kurz in jeder Gestalt wirst du eine anagogische Aufklärung der typischen Bilder finden.

Nachdem ich nun dieses nach Kräften genügend besprochen zu haben glaube, müssen wir zur heiligen Ausdeutung der heiligen Darstellung der Engel in Tiergestalt übergehen.

§ 8.

Was die Löwengestalt betrifft so muss man dafür halten, dass sie den Herrschercharakter, das Starke, das Unbezwingliche bedeute sowie die Eigentümlichkeit, der Heimlichkeit der unaussprechlichen Urgottheit durch das Verdecken der geistlichen Spuren sowie durch die geheimnisvolle, prunklose Verhüllung des unter göttlicher Einstrahlung aufwärts führenden Ganges zur Gottheit nach Kräften sich zu verähnlichen.
Die Gestalt der Stiere bezeichnet die Stärke und Lebenskraft und das Aufreißen der geistlichen Furchen, um die himmlischen und befruchtenden Regengüsse aufzunehmen. Die Hörner aber bedeuten die schützende Wachsamkeit und Unbesiegbarkeit.
Die Adlergestalt bedeutet das Königliche, den zur höchsten Höhe strebenden, schnellen Flug, den scharfen Blick, die Vorsicht, das schnelle Herankommen, die Leichtigkeit um die kraftgebende Nahrung zu gewinnen, endlich die Eigenheit, im machtvollen Anspannen des Sehvermögens ohne Hindernis gerade und unverwandt in den vollen und äußerst hellen Strahl der urgöttlichen Sonnenstrahlung zu schauen.
Die Pferdegestalt bedeutet den Gehorsam und die zahme Willfährigkeit. Die Farbe der weißen Pferde bedeutet das Lichtglänzende und dem göttlichen Licht am meisten Verwandte; die Farbe der dunklen Pferde bedeutet das Verborgene; die Farbe der roten Pferde bedeutet das Feurige und Energische; die Farbe der scheckigen Pferde, die aus Weiß und Schwarz gemischt ist, bedeutet die Eigenheit, die äußeren Gegensätze durch die überleitende Kraft zu verbinden und das Erste mit dem Zweiten, das Zweite mit dem Ersten zielwärtsstrebend oder fürsorglich hervortretend zu verknüpfen.

Wenn wir nicht auf den gebührenden Umfang der Abhandlung Bedacht zu nehmen hätten, so würden wir nicht unfüglicher Weise auch die einzelnen Eigentümlichkeiten der erwähnten Tiere und alle Bildungen ihrer körperlichen Glieder nach dem Grundsatz der "unähnlichen Ähnlichkeiten" auf die himmlischen Mächte analog übertragen. Den Zorn der Tiere könnten wir auf die geistige Mannhaftigkeit, von welcher der zornige Mut ein äußerstes Echo bildet, die Begierde (der Tiere) auf die göttliche Liebe und, um es kurz zu sagen, alle Sinnesempfindungen und die vielen Glieder der unvernünftigen Tiere auf die immateriellen Erkenntnisse der himmlischen Wesen und die eingestaltigen Mächte mystisch übertragen. Für die Verständigen genügt jedoch nicht bloß das Gesagte, sondern auch die mystische Erläuterung eines einzigen befremdlichen Bildes zum gleichartigen Erklären der ähnlichen Dinge.

§ 9

Wir müssen aber auch noch erwägen, dass (in der Schrift) von Flüssen, Rädern und Wagen im Zusammenhang mit den himmlischen Wesen die Rede ist. Die feurigen Flüsse bezeichnen die urgöttlichen Rinnsale, welche ihnen reichlichen, unversiegbaren Zufluss gewähren und lebensgebende Fruchtbarkeit fördern. Die Räder bedeuten, wenn sie mit Flügeln versehen sind und ohne Zurückdrehen unablässig vorwärts gehen, die Kraft ihrer auf geradem und rechtem Weg dahinstrebenden Energie, indem all ihre geistige Rotation überweltlich zu dem gleichen, stetigen und geraden Gang gerichtet wird.

Man kann aber die Bilddarstellung der geistlichen Räder auch noch in einem andern mystischen Sinn deuten. Es ist ihnen nämlich auch, wie der Prophet sagt, der Name ,,Gelgel" gegeben, was in der hebräischen Sprache Umwälzungen und Enthüllungen bedeutet. Denn die feurigen und gottähnlichen Räder haben ihre Umwalzungen durch die nie ruhende Bewegung um ein und dasselbe Gut, ihre Enthüllungen aber durch die Offenbarung des Verborgenen, durch die Emporführung des Niedrigen und durch die auf das Tieferstehende niederwärts geleitete Vermittlung der höchsten Erleuchtungen.

Es erübrigt uns noch zur Besprechung das Wort von der Freude der himmlischen Ordnungen, denn für die affektive Lust, die uns eigen ist, sind sie ganz und gar unempfänglich. Es heißt aber, dass sie sich mit Gott über das Finden der Verlornen mitfreuen, sowie es der göttlichen Wonne und der gütigen und neidlosen Fröhlichkeit über die Fürsorge und Rettung derer, die sich zu Gott bekehren, und jener unaussprechlichen Lust entspricht, welcher oft auch heilige Menschen teilhaftig geworden sind, wenn die göttlichen Erleuchtungen unter göttlichen Wirkungen in sie einströmten.

Soviel soll denn von mir über die heiligen Gestaltbildungen gesagt sein; es bleibt freilich hinter der genauen Ausdeutung derselben zurück, erreicht aber doch meines Erachtens den Zweck, dass wir nicht in niedriger Weise an den bildlichen Vorstellungen haften.

EPILOG.

Wenn du aber einwenden solltest, dass wir nicht der Reihe nach aller Kräfte, Tätigkeiten und Bilder der Engel, welche in der heiligen Schrift enthalten sind, Erwähnung getan haben, so werden wir in Wahrheit antworten, dass wir die überweltliche Wissenschaft von denselben nicht kennen gelernt haben und darin eher selbst eines andern bedürfen, der uns die Leuchte vortrage und uns einführe. Was aber mit dem Gesagten sich als gleichwertig deckt, haben wir bei Seite gelassen, einerseits im Interesse des Ebenmaßes der Abhandlung, andrerseits um die über uns hinausliegende Verborgenheit mit Schweigen zu ehren.

Quelle: Aus dem Griechischen übersetzt von Josef Stiglmayr.Sj. in Bibliothek der Kirchenväter, Dionysius Areopagita , Kösel, Kempten und München 1911

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